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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 356

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
Date
1926-10-01
Page
356 (sequence 9)
Language
German
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Felix Perles Lautbestand und die Aussprache des damaligen Franzosisch. Das im ganzen 70 Zeilen umfassende Gedicht ist in reinem Altfranzösisch abgefaßt und enthält nur sieben hebräische Ausdrücke, die ausnahmslos der jüdisch-religiösen Begriffssphäre angehören. Während es sich aber hier um eine ganz vereinzelte literarische Erscheinung in so früher Zeit handelt, besitzen wir ein ausgedehntes jüdisch-arabisches und jüdisch-persisches Schrifttum aus dem Mittelaller, die beide zahlreiche poetische Schöpfungen erhalten, und von denen das erstere auch eine sehr beträchtliche Bibliothek jüdisch-wissenschaftlicher Werke aus den verschiedensten Gebieten umfaßt1) Nicht nur wissenschaftliches, sondern auch rein menschliches Interesse beansprucht besonders das Jüdisch-Deutsche und Jüdisch-Spanische bzw. Jüdisch-Portugiesische.2) Während die Juden sowohl in Deutschland als auch auf der Pyrenäischen Halbinsel sich zuerst sprachlich nicht von ihren christlichen Mitbürgern unterschieden, entwickelte sich seit dem i4- Jahrhundert unter den aus Deutschland vertriebenen Juden das Jüdisch- Deutsche und seit dem Ende des i5. Jahrhunderts, als die Juden 1492 aus Spanien und 1^97 aus Portugal vertrieben wurden, in Marokko, in der Türkei sowie später in Holland das Jüdisch-Spanische und Jüdisch-Portugiesische. Gleiche Ursachen hatten hier an verschiedenen Stellen gleiche Wirkungen hervorgebracht Die Sprache der Heimat wurde von den flüchtigen Juden auch in einer sprachfremden Umgebung weitergepflegt, erstarrte aber dort allmählich durch die Abschließung vom Mutterlande und bereicherte sich nun einerseits aus dem Hebräischen, anderseits aus der jeweiligen Landessprache, so daß sich bald ein eigener Dialekt herausbildete. Es ist nun kulturgeschichtlich überaus merkwürdig, daß die Juden in Osteuropa noch heute an diesem Jüdisch-Deutsch mitten in der slavischen Umgebung festhalten, wie die Juden in den Balkanländern am Jüdisch-Spanischen. Beide Gruppen schreiben und drucken ihren Dialekt mit hebräischen Schriftzeichen und haben eine reiche Literatur geschaffen, die, soweit es das Jüdisch-Deutsche betrifft, in ihren wertvollsten Erzeugnissen schon in viele Sprachen, auch ins Deutsche, übertragen ist Nebenbei bemerkt, ist das Jüdisch-Deutsche der älteste unter allen lebenden deutschen Dialekten und bietet daher der Germanistik viel sonst verschollenes Material Neben der Philologie sind es noch andere Wissenschaften, die aus *) Steinschneider, Die arabische Literatur der Juden. Frankfurt a. M. 190a. 2) Vgl. des Verfassers Aufsatz „Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch'* in „Der Morgen" 1925, Nr. 3, S. 370 ff. 356

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