Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 351 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895459-2895464-2897144--01293-2897228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Erforschung des nachbiblischen Judentupns im Rahmen der Universitas Litterarum und Jehuda Halevi (ca. io85—n4o) die ersten großen Lyriker des mittelalterlichen Europa und stehen nicht nur zeitlich weit vor Walther von der Vogel weide und Petrarca, sondern brauchen auch künstlerisch den Vergleich mit ihnen nicht zu scheuen. Noch weniger bekannt — manchmal selbst in Fachkreisen — ist die „Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter"1), namentlich der Mathematik, der Astronomie und der Medizin, wovon noch weiter unten die Rede sein soll. Schon diese flüchtige Skizzierung einiger Hauptseiten des Gegenstandes läßt erkennen, daß im nachbiblischen Judentum ein nach Umfang und Inhalt überaus bedeutsames Material für die Forschung bereit liegt Es trägt also schon in sich seinen Wert und seine Berechtigung als besonderes Lehrfach und hat damit Anspruch auf die Aufnahme in die Universitas Litterarum. Es steht aber auch in lebendiger Beziehung zu einer ganzen Reihe älterer Disziplinen, so daß es sich organisch in den Rahmen der Gesamtwissenschaft einfügt Und was besondere Hervorhebung verdient, die in Betracht kommenden Disziplinen verteilen sich auf alle vier Fakultäten. Beginnen wir mit der theologischen Fakultät, die sicher den reichsten Gewinn aus der eingehenden Beschäftigung mit dem nachbiblischen Judentum ziehen kann. Das haben auch schon seit mehr als 4oo Jahren einzelne Gelehrte nicht nur theoretisch anerkannt, sondern auch in ihren wissenschaftlichen Arbeiten praktisch bewiesen. Speziell im letzten Jahrhundert haben eine stets wachsende Anzahl von christlichen Theologen in Deutschland, England und Amerika Sprache, Lehre und Schrifttum namentlich des talmudischen Judentums eindringend studiert und damit auch das geschichtliche Verständnis des Christentums wesentlich gefördert Von Verstorbenen seien hier nur Franz Delitzsch, August Wünsche, Hermann Leberecht .Strack, von Lebenden Gust Dalman (Greifswald), Travers Herford (London), George Moore (Harvard University) genannt Letzterer hat erst vor einigen Jahren in einem anregenden Aufsatz „Christian Writers on Judaism" einen Überblick über das bisher Geleistete und noch künftig zu Leistende gegeben. Trotz alledem ist die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Beschäftigung mit den jüdischen Quellen noch lange nicht Gemeingut geworden. Vor allem das Evangelium, das ja auf jüdischem Boden erwachsen ist, wird sprachlich und sachlich erst aus der jüdischen Umgebung verständlich. Die synop-!) Titel einer 1877 erschienenen Arbeit des Botanikers M. Schleiden. 35t