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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 335

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
335 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Ist die Rasse veränderlich? schiedener Rassen in demselben Individuum. Von den Enkeln angefangen, zeigt sich jedes Rassenmerkmal wiederum in seiner reinen Gestalt; aber es verbindet sich mit den ebenso gereinigten Merkmalen der zweiten Rasse. Restlose Abspaltung aller Merkmale, wenn jemals Kreuzung stattgefunden hat, ist nicht mehr zu erwarten. Der Mulatte wird vielleicht ein schwarzes Kind haben können; oder ein Kind mit büschelweise stehenden Kraushaaren; aber niemals wieder wird ein in allen Zügen reinrassiger Neger, ebensowenig je wieder ein in samtlichen Charakteren reinrassiger Kaukasier aus dem Schöße einer Mulattenfamilie hervorgehen, nicht einmal bei Rückkreuzung mit den Ursprungsrassen. Was nützt die Reinheit des einzelnen Merkmales, wenn es mit anderen, reinen Merkmalen der fremden Rasse gepaart bleibt? Im Sinne der Rassenapostel ist ja dann die eigene Rasse doch unwiederbringlich „verdorben". Welcher Wahnsinn, angesichts der überall vor sich gegangenen Kreuzungen heute noch auf Rassenreinheit Anspruch zu erheben, ja sie als Vorbedingung gedeihlicher Kulturentrwioklung zu reklamieren! Auf das Reinbleiben, stete reine Abspalten einzelner Merkmale müssen sich die Rassenpropheten berufen, wo sie auf hartnackige, von allen Wanderungen und wechselnden Geschicken unbeeinflußte Charaktere stoßen, wie solche etwa bei den Iren und den Juden immer wieder zum Vorschein kommen. Wo bleibt die Mischung? Wo die Allmacht der Umgebung? So fragen die Rassenapostel. Sie vergessen, daß, was sich hier in Urgestalt heraushebt, nichts ist als ein Überbleibsel, wo all der Rest bereits durch ausgleichende Umwelt verwischt und durch Mischung überbrückt wurde. Die Rassenbrücken in Gestalt ausgeglichener Merkmale genügen nunmehr, um unsere Satze zu rechtfertigen: i. Wandern Teilbestande einer Rasse aus, so gewinnen sie neue Merkmale, die sie der neuen Heimat anpassen, aber von den in der alten Heimat verbliebenen Beständend er selbenRasse verschieden machen. — 2. In gleicher Umwelt werden verschiedene Rassen einander ähnlicher: so ähnlich, als es ihre körperlichen und kulturellen Merkzeichen irgend zulassen. Beides beweist die Bildsamkeit („Plastizität" — Boas) und dadurch wiederum die Unbeständigkeit („Instabilität" — Boas) der Menschenrassen; durch beides wird seinerseits dem Rassenstolz und Rassenhaß jedweder Boden, jeder wahrheitsgemäße Grund entzogen. 335

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