Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 334

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
334 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895464-2897142--01274-2897211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Paul Kämmerer schritt der Menschheit so wichtig ist: daß sie alle Brüder sind und im Dienste des gemeinschaftlichen Gedeihens Frieden halten sollen. Dieses „Brückenschlagen" wird unterstützt, nicht aber ausschließlich bedingt durch Mischheiraten. Daß Rassenkreuzung nicht der alleinige Faktor der Rassenverschmelzung sein kann, darüber sind Boas und ich uns vollstandig einig. Wahrscheinlich begünstigen eher umgekehrt die bereits erzielten milieubedingten Annäherungen das Abschließen von Mischehen. Ist es einmal so weit, so kann die Vermischung wohl manches zur Verschmelzung beitragen. Um das richtige Verständnis dafür anzubahnen, heißt es nun, dem Glaubenssatz: „Es gibt keine Mischrassen!" zuleibe zu gehen, den ich eingangs als advocatus diaboli den neuen Konstanzgläubigen nachgesprochen. Kreuzt man eine rotblühende mit einer weißblühenden Wunderblume (Mirabilis), so blüht die erste Mischlingsgeneration rosa; die zweite blüht rot, rosa und weiß im Verhältnis von 1:2:1 Nachkommenexemplaren. In je 2 5 0/0 der Enkel haben sich die großelterlichen Ausgangsrassen, was Blütenfarbe anbelangt, wieder entmischt Diese von Mendel gefundene Spaltungsregel erwies sich für beinahe alle Rassenkreuzungen der Pflanzen, Tiere und Menschen als gültig. Aber ebenso verhalten sich und unabhängig vererben sich beliebige andere Merkmalspaare derselben bastardierten Rassen: etwa Hochwuchs und Zwergwuchs, Behaartheit und Kahlheit, frühe und späte Blütezeit» strahlige und zweiseitige Blütenform, ganzrandige und gesägte Blätter usw. Nehmen wir nur das Größenmerkmal noch hinzu, so finden wir die Enkel im Besitz aller Kombinationen aus Größe und Farbe: etwa rotblühende hochgewachsene, weißblühende hochgewachsene, rotblühende zwergwüchsige, weißblühende zwergwüchsige. Schon diese zwei Merkmalspaare verbinden sich in Wirklichkeit so, daß in bezug darauf unter je 16 Enkeln nur ein einziger eine wirklich „reine" Rasse darstellt, während in den übrigen i5 Enkeln sich die Merkmale beider Rassen zusammengefunden haben. Sind noch mehr Merkmalspaare beteiligt, so entsteht ein schwer entwirrbares Mosaik. Wenden wir diese heute allgemein anerkannte Erkenntnis auf menschliche Rassenblendlinge an: Nachkommen von Mulatten und Mestizen empfangen zwar aus der Mischung — immer nur in beschränkten Prozentsätzen — etwa die Hautfarbe eines ihrer Voreltern rein zurück; aber sie verknüpfen diese mit der Haarverteilung, Schädelform usw. des jeweils anderen Vorfahren. Es gibt vielleicht auf die Dauer keine Mischung einzelner Rassentmerkmale; aber es gibt ein Nebeneinander von Merkmalen ver- 334

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.