Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Ist die Rasse veränderlich?
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 333 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ist die Rasse veränderlich? „das Ergebnis dieser Änderungen die Entwicklung einer größeren Ähnlichkeit zwischen Sizilianern und Juden", wie es der allgemeine physiognomische Eindruck, den man von beiden Typen in Amerika empfängt, vollauf bestätigt Ähnlichkeit, nicht Gleichheit entsteht durch die Ausgleichung einzelner Merkmale! Restlose Ausgleichung wäre doch wohl zuviel verlangt von einem Zeitraum etlicher Jahrzehnte oder bestenfalls weniger Jahrhunderte, die den nivellierenden Bedingungen der neuen gemeinschaftlichen Heimat zur Verfügung standen. Ohnedies geht der Rassenwandel rascher von statten als ältere deszendenztheoretische Vorstellungen erwarten durften, die stets mit Jahrtausenden oder Jahrmillionen rechneten. Für restlose Ausgleichung sind auch die mitgebrachten Verschiedenheiten zu groß: je minder verwandt die eingewanderten Rassen, desto weniger werden ausgleichende Bedingungen imstande sein, Übereinstimmung hervorzurufen: Neger und Mongolen können natürlich nicht bis zu dem Grade im Schmelztiegel aufgehen, daß sie von Weißen ununterscheidbar werden! Bis zur Aufhebung angestammter Unterschiede gedeihen auch die Konvergenzen, die wir aus dem Tier- und Pflanzenreiche kennen, nur ausnahmsweise: Wal und Fisch, Fledermaus und Vogel, Wurm und Schlange sind nur in Äußerlichkeiten des Körperbaues, nicht in ihrer inneren Organisation ähnlich geworden, indem sie sich an das Schwimmen im Wasser, Fliegen in der Luft, Wühlen im Erdboden gemeinsam anpaßten. Unter den mitgebrachten Verschiedenheiten, die sich dem Ausgleichsprozeß widersetzen, verstehe ich nicht ausschließlich die erblichen Rassenverschiedenheiten; jede Rasse bringt vielmehr — abgesehen von ihren körperlichen und geistigen Merkmalen — auch kulturelle und traditionelle Charakteristika mit, an denen sie festhält, soweit es die neue Umgebung irgend gestattet Der Chinese, der Neger lebt anders, kleidet sich anders, kocht anders als der Weiße; er schafft und erhält sich sein künstliches Milieu und arbeitet auch dadurch der Möglichkeit entgegen, daß die den Rassen gemeinsam gewordene Umwelt verändernd im Sinne der Verähnlichung auf sie alle einwirke. Trotz alledem ist die gemeinsame Umwelt mächtig genug, um wenigstens in bezug auf einzelne Merkmale — wie den Längenbreitenindex des Schädels in den Messungen von Boas — Angleichung zu bewirken und hierdurch eine Anähnlichung im Gesamtgepräge zu befördern. Schon das jedoch schlägt Brücken zwischen fremden Rassen und reicht hin, sie auch ohne rassen- und deszendenztheoretisches Verständnis fühlen zu lassen, was für den Fort- 333