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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
331 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Ist die Rasse veränderlich? halle ich mich an Anthropologen, deren Unparteilichkeit von niemandem in Zweifel gezogen werden kann. Mehrfache Gründe bestimmen mich, Angaben zweier nordamerikanischer Menschenforscher herauszugreifen: Franz Boas und Alexander Hrdlicka. Zurzeit, da Boas und Hrdlicka ihre wertvollen Untersuchungen begannen, waren die Vereinigten Staaten von Amerika ein freies, im schönsten Sinne ,»liberales" Land, noch nicht vom Teufel des nationalen Hochmutes heimgesucht wie seit dem Weltkriege. Ferner sind die Vereinigten Staaten Schauplatz des sogenannten „melting pot" (Schmelztiegels), wo die fremden, einwandernden Rassen amalgamiert, der neuen, mehr oder minder einheitlichen ,,amerikanischen Nation" einverleibt werden. Endlich lernte ich dieses rassentheoretisch so hochinteressante Land in zwei Reisen, die sich auf je ein halbes Jahr und auf 36 von den £8 Staaten erstreckten, aus eigener Anschauung kennen. Zwar ließ mir häufiger Aufenthaltswechsel keine Gelegenheit zu systematischen Untersuchungen; aber etwas wert ist doch auch der mit wachen Sinnen aufgenommene Eindruck, den man im täglichen ungewöhnlich regen Umgange mit einem Volk gewinnt, seinen verschiedensten Kreisen, Schichten und Wohnorten. Bringen wir die Ergehnisse auf einfache Formeln, unter Hinweglassung aller Einzelheiten, so bleiben folgende Sätze stehen: 1. Die Einwanderer verändern sich auf amerikanischem Boden: „Nur in gleichbleibender Umgebung kann eine Rasse als beständigangesehen werden" (Boas1]). 2. Die Veränderungen werden desto stärker, je länger sich die Einwanderer im Lande befinden: sie prägen sich daher am deutlichsten aus bei den Nachkommen eingewanderter Familien, die schon seit mehreren Generationen im Lande wohnen. 3. Die ursprünglichen Verschiedenheiten eingewanderter Rassen werden (wenigstens zum Teile) ausgeglichen: die auf amerikanischem Boden stattfindenden Veränderungen bewegen sich daher in konvergierender Richtung. Dabei nähern sie sich in gewissen Zügen sogar den Ureinwohnern Amerikas. 4- Diese Veränderungen lassen sich nicht auf mitgebrachte erbliche Anlagen, deren Auslese oder auf Misch-!) „The influence of environment upon development". Proceedings of the National Academy of Sciences, vol. VI, No. 8, p. 489, August 1920. 33t

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