Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 330

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
330 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895464-2897142--01270-2897207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Paul Kämmerer zubilden und ins Eigentum der Rasse übergehen zu lassen. Gegenwärtig wird zumeist unabsichtlich und leichtfertig erbliche Belastung getrieben; es ist unsere Aufgabe, künftighin willkürlich und wohlüberlegt erbliche Entlastung zu betreiben. Die eugenetische Bewegung, die heute ausschließlich auf Mittel der Auslese hinarbeitet, bedarf unbedingt der produktiven Ergänzung: nicht bloß, das Böse auszurotten, sondern darüber hinaus das Gute zu schaffen, ist rassenhygienisches Ziel In welcher Weise werden neue erbliche Eigenschaften erworben? Durch die ummodelnden Einflüsse der äußeren Lebensbedingungen. Folglich nimmt die Rasse je nach der Lage, in der sie sich befindet, andere erbliche Gestalt an. Man darf sich die umweltbedingte Rassenänderung nicht ausschließlich als „direkte Bewirk ung" vorstellen, denen das Lebewesen völlig passiv unterliegt; vielmehr setzen die Wirkungen der Außenwelt aktive Gegenwirkung seitens des Lebewesens voraus. Es führt zu den schwersten Mißverständnissen, wenn man sich darüber hinwegtäuscht, daß äußere und innere Umstände zusammenwirken müssen, um eine Rassenveränderung hervorzubringen; einseitig werden bald nur jene, bald nur diese als allein maßgebliche Ursachen verkannt Redfield *) behauptet, nicht die Umgebung modelliere das Lebewesen, sondern es modelliere sich selbst, weil sich seine Verrichtungen einer geänderten Umgebung anbequemen. Das trifft zu; aber ohne Umgebungsänderung wird sich kein Lebewesen bewogen fühlen, seine Funktionen und im untrennbaren Zusammenhange damit seine Formen zu ändern. Höchstens beim Menschen wäre denkbar, daß bloßer Wille, ohne äußere Nötigung, Änderungen der Form und Funktion erzwingt; aber auch beim Menschen werden in der Regel besondere Lebensbedingungen als Ansporn herhalten müssen. Und jedenfalls zwingen umgekehrt geänderte Lebensbedingungen zur geänderten Betätigung, die für die Merkmale der betroffenen Individuen und mittelbar der Rasse nicht folgenlos bleibt Zahlreiche Beispiele für milieubedingte Rassenveränderungen finden sich bei Friedrich Hertz, „Rasse und Kultur", einem Buche, das soeben in dritten Auflage erschien. Doch wird Hertz von gewisser Seite einer „Tendenz" geziehen, nämlich, daß es ihm nur darauf ankam, die antisemitischen Ausfalle Chamberlains und anderer „Rassentheoretiker" bekämpfen zu wollen. Deshalb!) „Testing Lamarck's Theory". Transactions of the Illinois State Academy of Science p. i45—154, vol. XVI. — „The Nature of Acquired Characters". Medical Times, April 1924. — ,3iological Inheritance'". Medical Standard for May 192 4. 330

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.