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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 325

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
325 (sequence 3)
Language
German
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Ist die Basse veränderlich? Erbanlage zur Tuberkulose? Als die Vererbung erworbener Eigenschaften zuerst angezweifelt wurde, war es eine der ersten Folgerungen, daß es erbliche bakterielle Erkrankungen nicht geben könne. Wenigstens nicht im biologischen, sondern höchstens in dem Sinne, wie wir einen Schnupfen „erben" durch immer erneute Ansteckung, der auch die im infizierten Wohnraum aufwachsenden Nachkommen unterliegen; oder durch unmittelbares Einwandern der Krankheiteerreger in den Keimling, wie bei der Syphilis. Eine spezifische Anlage zur Tuberkulose (und Syphilis usw.) aber könnte es danach nicht geben; bestenfalls eine angeborene, unspezifische Schwäche, die eben auch der Tuberkulose leichter ein Opfer wirbt Mensch und Tuberkelbazillus sind noch nicht seit Adams Zeiten miteinander bekannt Einstmals begegneten sie einander; erst seitdem können sie ihre besondere Art, aufeinander zu reagieren, erlernt haben. Sollten sie diese spezifische Reaktionsweise aber auch auf die späteren Geschlechter vererben, so wäre dieses eine Vererbung erworbener Eigenschaften und widerspräche der modernen Vererbungslehre. Darf das sein? Und darf daher die Hygieneausstellung auf ihrer „Auslesetafel" von einer Erbanlage zur Tuberkulose sprechen? Zumindest auf einer anderen' Tafel spricht sie vorsichtiger und vermutungsweise nur von einem direkten Keimgift, das die Tuberkulose ähnlich der Syphilis und dem Alkohol erzeuge. Noch auf einer dritten Ausstellungstafel des deutschen Hygienemuseums aber spielt die Tuberkulose eine zweifelhafte, weil den bisher genannten Tafeln widersprechende Rolle: sie weist nach, daß in Nordamerika der Weiße am wenigsten, weit mehr der Schwarze, in abermals höherem Maße der Indianer und im höchsten Ausmaße der Chinese der Schwindsucht erliegen. Ist eine allgemeine unspezifische Schwäche schuld daran? Sind Neger, Rothäute, Gelbe körperlich um so vieles schwächere Rassen als Weiße? Oder ist nur die bessere, im Lichte der Rassenhygiene so verwerfliche Bekämpfung der Schwindsucht, womit die weiße Rasse den übrigen vorausging, verantwortlich für jene auffällig an Rassen, also an Erbgut gebundene Erscheinung? Wie immer wir diese Fragen beantworten: für die jetzt gültigen Lösungsversuche der Vererbungslehre, Rassentheorie und Rassenhygiene bleiben sie verfänglich. Mir scheint nämlich, es gibt trotz alledem eine besondere erbliche Disposition zur Tuberkulose: die mußte aber dereinstmals erworben worden sein! Und daneben scheint es eine besondere, bereits erbliche Giftfestigkeit (Immunität) zu geben; darin ist der Weiße augenblicklich 325

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