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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 326

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
326 (sequence 4)
Language
German
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Paul Kammerer am weitesten fortgeschritten. Soweit die Schwindsucht in Frage kommt, ist teilweise Immunität dagegen bereits Erbteil seiner Rasse geworden. Die anderen Rassen müssen ihm darin erst folgen. So kommt es auch, daß Seuchen; die den Europäer kaum mehr anfechten, unter Eingeborenen von ihm kolonisierter Länder verheerend wirken; und daß umgekehrt der europäische Kolonist dort heimischen Seuchen zum Opfer fällt, die den Eingeborenen wenig anhaben. Anders steht es mit mechanischen Verkrüppelungen und Verletzungen: ßie sind in der Tat nicht erblich. Sie sind aber auch keine „Eigenschaften" im biologischen Sinne, weder „erworbene" noch „verlorene" noch sonst organische Eigenschaften. Verletzungs f o 1 g e n könnten sich vererben, aber nicht die Verletzung selbst Das zu erwarten, käme auf die Ungereimtheit hinaus, zu fordern, ein Klimawechsel solle sich vererben und nicht etwa nur die Veränderung, die er an den ihm unterworfenen Lebewesen hervorbringt Denn genau wie z. B. ein Klimawechsel sind Verletzungen allenfalls Bedingungen, unter denen Eigenschaften entstehen, keineswegs aber selber Eigenschaften des Lebewesens. Lebendige Eigenschaft ist stets nur eine Reaktion des Lebewesens: die Reaktion aber auf eine Verletzung ist deren Heilung, die Regeneration. Schon deshalb kann die Verletzung als solche bei den Nachkommen nicht wieder erscheinen: denn sogar, wo das fertig entwickelte Lebewesen einen durch Verstümmelung entstandenen Organverlust (z. B. der Mensch einen abgeschossenen Arm) nicht mehr ersetzen kann, ist der Keimling dazu imstande; auf frühen Stufen der Entwicklung ist sein Ersatzvermögen ebenso unbeschränkt wie jenes der niedrigen Lebensformen, denen er entspricht und die er biogenetisch wiederholt Die Zwillinge beweisen es, die aus einem einzigen Ei entstehen, dessen Keimmaterial sich zerteilte: sie sind auffallend klein, weil sie mit der Hälfte des normalen Keimstoffes vorlieb nehmen mußten, aber harmonisch ausgebildet Ist es nicht, als hätte man einen Wurm halbiert, damit die Vorderhälfte nach hinten einen Schwanz, die Hinterhälfte nach vorne einen Kopf ergänze? Seit Semon (1912) haben Redfield1) und ich wiederholt darauf hingewiesen, daß es unzulässig ist, eine mechanische Verkrüppelung oder Verstümmelung „erworbene Eigenschaft" zu nennen. Es nützt aber nichts: immer wieder stützen sich die Gegner auf die Nichterblichkeit von Verletzungen als *) „The Biological and the Non-Biological". Clinical Medicine p. 463—465, July 1924. — „Barking up the wrong tree". Medical Standard for February, 19a5. 326

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