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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 293

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Judentum und Volksgemeinschaft
Date
1926-08-01
Page
293 (sequence 3)
Language
German
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Judentum und Volksgemeinschaft Geltung behalten -wird. Der Rassengedanke, aus der Biologie gewonnen und dann noch gefährlich übersteigert, wird sich als nicht fähig erweisen zur Bestimmung dessen, was eine Nation sei; aber ihn wollte Nölting ja gar nicht primär treffen, sondern nur insofern, als er eine Komponente bildet im Aufbau eines kulturellen Antisemitismus. Dieser aber kann bestehen bleiben, selbst wenn der Rassengedanke (was so nicht kommen wird) ganz und gar ins Nichts versänke. Denn er ruht — gerade in Deutschland — nicht allein auf naturwissenschaftlichen Gedankengängen, sondern auf der Volksgeistidee, auf der Vorstellung, daß es unverlierbare geistige Eigenheiten der Völker wie der Menschen gibt, die ein eigentliches Verstehen zwischen ihnen außerordentlich erschweren, wenn nicht unmöglich machen und die nicht durch ein Einziges ^Allgemeines", wie den „Menschen" oder die „Vernunft" schlechthin, ersetzt werden können. Ein Mann wie Spengler beispielsweise, kann als ein typischer Vertreter dieses romantischen und nachromantischen geistigen Deutschland gelten. Sein Begriff einer „Kulturseele" und sein Glaube an eint letztes Fremdsein zwischen den einzelnen Kulturen stellt nur eine ins Große weltgeschichtlicher Epochenbetrachtung projizierte Erweiterung eben der Volksgeistidee dar, zeigt vielleicht am deutlichsten, was hier in unserem Zusammenhang unter spezifisch deutschem Kulturbewußtsein der Moderne verstanden sein soll Und selbst, wenn wir der Ansicht sein sollten, daß man dieses Trennende unter den Menschen in unsern Tagen viel zu sehr betont hat und daß die Unterschiede keine so himmelweiten sein können, wie man uns hat glauben machen wollen, so ist doch andererseits zu sagen, daß wir Rückständige im Geiste wären, wenn wir das Fruchtbare an dieser Erkenntnis verleugnen wollten. Und man will das auch nicht Wenn man heute für den Völkerbund eintritt, so will man keineswegs eine allgemeine „Verbrüderung" damit bezwecken, sondern man will die einzelnen Nationen, unbeschadet der eigenartigen Melodie, die sie zu spielen haben in dem großen Weltorchester, doch zusammenführen als Kameraden. Das ist es — darin zeigt sich das Unverlierbare der romantischen Ideen, wenn sie nur erst wieder zurückgeführt werden zu ihrer Verpflichtung gegenüber der ganzen Menschheit, daß für die historische Erkenntnis unserer Epoche nicht mehr die Devise gelten kann einer Humanität über den Nationen, sondern allein diejenige einer Kameradschaft zwischen den Nationen und zwischen den verschiedenen soziologischen Gruppen überhaupt 293 19

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