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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 292

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Judentum und Volksgemeinschaft
Date
1926-08-01
Page
292 (sequence 2)
Language
German
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Werner .Cahnmann die organizistische Staats- und Gesellschaftsauffassung der Romantik eine Tatsache historisch-psychologischer Art, die gerade für die deutsche Bildung nicht mehr eliminiert werden kann. Diese deutsche Hinneigung zum Romantischen wird durch das im Schöße unserer Generation sich vollziehende „Zusammenbrechen des naturwissenschaftlichen Lebensgefühls" in keiner Weise berührt werden, da ja die Romantik selbst eine ganz und gar geisteswissenschaftliche Bewegung gewesen ist, was auch Nölting nicht übersieht, wenn er eine Renaissance naturrechtlich-rationalen Denkens für unwahrscheinlich hält Daß beide Bewegungen, die naturwissenschaftliche, wie die romantisch-historische zusammengetroffen sind, um sich in der Weltanschauung des 19. Jahrhunderts zu verbinden, ist deshalb nur als eine einmalige geistesgeschichtliche Situation aufzufassen, wenn sie auch keineswegs eine zufällige gewesen ist Die Romantik war entstanden als Reaktion aller auf das Geheimnisvolle und Irrationale gerichteten Seelenkräfte des deutschen Menschen gegenüber den rationalistisch-allgemeinen und also das individuelle Leben und den Geist der Geschichte vergewaltigenden Ideen des 18. Jahrhunderts, wie sie sich an ihrem Ende noch einmal am gewaltigsten auf gegipfelt hatten in der Pan-Europa-Idee des ersten Napoleon; freilich, wenn sich die Repräsentanten der deutschen Bildung von damals, wenn sich ein Stein, ein Fichte, ein Humboldt gegen diese Weltreichidee und ihre Verkörperung wandten, indem sie die Individualrechte der Nation ihr gegenüber geltend machten, so waren sie nichtsdestoweniger immer noch gute Europäer und Weltbürger in dem damals geltenden Sinn, wie dies Meinecke in seinen schönen Darlegungen im 1. Teil von „Weltbürgertum und Nationalstaat" festgestellt hat; nur wollten sie das Ziel auf ihre deutsch-romantische Weise erreichen in einer freien Verewigung; sich selbst bestimmender National-Individualitäten, nicht in der Form despotischer Weltherrschaft eines noch so „vernünftigen" Prinzips. Daß dieser Geist der romantischen Frühzeit, der sich seiner Verpflichtung gegenüber dem Gemeinsam-Menschlichen noch bewußt war, später verloren gegangen ist, daß er. durch die unheilige Verbindung mit naturwissenschaftlich-biologischen und manchesterlichen Gedankengängen den Subjektivismus zum Egoismus (auch der Nationen) vergröberte und so den allgemeinen „struggle for life" erst heraufführte, vor dessen Ergebnissen wir heute mit Entsetzen stehen, das ist die besondere geistige Schuld des 19. Jahrhunderts, vor allem auch in Deutschland gewesen; das zeigt aber auch, was an diesem Greist dasjenige ist das eine neue Generation aufgeben soll und was an ihm Bestand haben und 292

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