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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 287

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1926-08-01
Page
287 (sequence 7)
Language
German
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Abraham zählt sein erster Biograph, L. E. Borowski, ein hoher preußischer Geistlicher, unbedingte Wahrhaftigkeit verlangte, so übte er sie selbst, und sogar jede Zweideutigkeit, jede Versteckung des wahren Sinnes unter Ausdrücken, die so oder anders genommen werden konnten, war ihm unerträglich. „War dies wirklich eine einmalige Abweichung von seiner Maxime? War's Selbsttäuschung? Beurteile es jeder, wie er will; ich möchte mich dafür verbürgen, daß vielleicht dies eine Mal in seinem langen Leben jene Maxime ihm, nicht ganz vorschwebte. Wer reiner zu sein glaubt, werfe den ersten Stein auf ihn!" Jüdische Erklärer geben sich damit freilich nicht zufrieden. Einer der bedeutendsten bemerkt zu der Stelle: „Wisse, daß unser Vater Abraham fahrlässig eine große Sünde begangen hat, indem er sein frommes Weib aus Furcht, man würde ihn töten, in die Gefahr einer Versündigung brachte. Er hätte auf Gott vertrauen sollen, daß er ihn, und sein Weib und seine Habe retten werde, denn „Gott hat die Macht, zu helfen und zu retten". Schon daß er sich wegen der Hungersnot aus dem Lande, in das er erst gesandt worden; war, entfernte, war schuldhaft und Sünde, denn „Gott erlöst in Hungersnot vom Tode". Und für diese Tat wurde über seine Nachkommen die Gefangenschaft in Ägypten unter Pharao verhängt: „an dem Orte, wo das Unrecht und die Sünde geschehen ist, ebendort wird das Gericht vollzogen". Als schriftgemäße Auslegung dürfte dies zu weit gehen, wohl aber rettet Gott Sara trotz der falschen Rede, weil er ein Gott der Gnade ist, der den Strauchelnden nicht gleich verwirft Jedenfalls ist es Gott selbst, der die Wahrheit an den Tag bringt. 3. So kehrt denn Abraham nach Kanaan zurück. Aber bald zeigt sich, daß für ihn und Lot, die beide große Herden hatten, das Land, in dem noch die eingeborene Bevölkerung saß, nicht genug Raum bot. Sie müssen sich trennen, und zwar ist es Abraham, der Oheim und der Ältere, der den Vorschlag dazu mit Worten macht, die ein Beweis seiner vorbildlichen Friedensliebe und Verträglichkeit sind: Laß doch nicht Streit sein zwischen mir und dir, denn wir sind ja doch Brüder. Trenne dich von mir; willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten, willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken. Das läßt sich Lot nicht zweimal sagen und wählt sich die Jordan-Au bis Sodom, die damals, wohlgetränkt« noch fruchtbares Land war, ohne sich dadurch stören zu lassen, daß „die Leute, von Sodom gar böse und sündig gegen Gott waren". Abraham aber, der sich zu Hebron bei den Eichen Mamres niederläßt, erhält von Gott nach diesem 287

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