Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abraham eigentlich: Geh — für dich! Nur zweimal finden sich diese beiden einsilbigen Wörlchen in der Bibel zusammen, hier und als Abraham das noch größere Opfer des Sohnes bringen soll, also an den beiden Höhepunkten seines Lebens. Mit der gewaltigen Anforderung schwingt auch ein Ton des Mitgefühls und der Vertröstung mit: Geh — es ist für dich. Eine jüdische Überlieferung begreift das Leben Abrahams als eine Kette von — zehn — Prüfungen, die er alle bestanden habe. Er ist der vollkommen Durchgeprobte und Bewährte. Ebensowohl könnte man es als eine Reihe von freiwilligen Trennungen, Abschieden, Verzichten und Opfern auffassen. Er verläßt Heimat, Vaterstadt und Elternhaus, er trennt sich von dem Brudersohn, er verzichtet auf jeden Kriegsgewinn, er schickt Hagar und Ismael aus dem Hause und ist schließlich zu dem größten Opfer, der Hingabe des einzig geliebten Sohnes, bereit Aber nach jedem Opfer wird er durch eine Verheißung getröstet und belohnt Eine Aufgabe ist nur durch Aufgeben zu erfüllen, und wer Gott folgt, darf gewiß sein, daß er gewinnt, auch wo er entsagt 2. Abraham hat kaum das Land betreten und in seinem Mittelpunkt, gleichsam die Fahne Gottes aufpflanzend, einen Altar gebaut, als er es infolge einer Hungersnot wieder verlassen muß. Wir hören aber nicht, daß er enttäuscht ist Die Verheißung des Landes bedeutete keineswegs die Versetzung in ein immerwährendes Paradies. Dazu wurde es erst durch den gottgesegneten Fleiß der Menschen, zu dem sie durch diesen dichterisch überschwenglichen Ausdruck für überquellendes Gedeihen angespornt werden sollten. Glaube und Phantasie Abrahams weben in einer höheren Welt und die Erde betrachtet er mit nüchternen Blicken. Also zieht er nach Ägypten, der Kornkammer der alten Welt. Hier nun hat er ein Erlebnis, das seit jeher einen der stärksten Anstöße bildet Er beredet Sara, sich für seine Schwester auszugeben, damit die Ägypter nicht ihn um ihrer Schönheit willen umbringen. In der Tat bemächtigt sich Pharao ihrer und erweist sich dem angeblichen Bruder gnädig. Aber Gott sucht Pharao heim, so daß er Sara wieder freigeben muß und beide über die Grenze bringen läßt — ein Vorgang, der sich in ähnlicher Weise bei Abimelech, dem König der Philister, und abermals mit Rebekka und Isaak wiederholt Also hat Abraham, sagt man, aus Feigheit gelogen und sein Weib um schnöden Gewinnes willen verkuppelt — ein schmählicher Handell Nun brauchten wir uns, wenn es sich wirklich so verhielte, nur auf den bereits aus- 285