Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 284 (sequence 4)
- Language
- German
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B. Jacob es, die sie retten wollten. Und die zweite Aufgabe ist, daß sich in ihm alle Geschlechter der Erde segnen sollen. Abrahams Liebe zu Gott ist also zugleich Liebe zu dem zukünftigen Volke und der Menschheit Nur aus solcher Goltesliebe kann jene ihre Begründung, Kraft, Reinheit und Beständigkeit schöpfen. Es muß schon einen Gott geben, damit es höchste Liebe geben kann. Nur eine prophetische Religion mit Gottesreich und Messias am Ende konnte eine solche Gestalt an den Anfang stellen. Abraham ist ein Religionsgründer, und doch ist es nicht seine erste Aufgabe, eine Gemeinde zu bilden. Eine Familie ist es, die er gründen soll. Aber überhaupt kann eine Religion, deren Wesen formal die Autorität, der Gehorsam gegen das göttliche Gebot ist, dafür keine bessere Vorbereitung schaffen als in der höchsten natürlichen Autorität, den Eltern. Der Stifter dieser Religion muß einen Sohn haben und ihre erhabenste Äußerung wird eine Tat sein, die ebensosehr den Gehorsam gegen Gott wie gegen den Vater; verherrlicht Seine Nachkommen sollen die Erben seines Geistes und Glaubens werden, bis daraus ein Gottesvolk werden kann. So wird ausdrücklich als seine Aufgabe bestimmt: „Ich habe ihn erwählt, damit er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm gebiete, daß sie den Weg Gottes wahren, Tugend und Gerechtigkeit zu üben." Religion „beginnt im Hause." Der treueste Anhänger soll der Sohn, der natürliche Erbe und Nachfolger sein. So ist denn bei Abraham der Angelpunkt seiner ganzen Lebensgeschichte der Sohn, dei angekündete, lange erwartete, immer wieder hinausgezögerte, endlich erschienene, und mit Jubel begrüßte, dann aber wieder aufs höchste gefährdete, fast wieder entrissene, bis der gerettete selbst den Stamm fortsetzen kann und dem sterbenden Vater die Augen zudrückt Hiernach ist planvoll die ganze aus zwölf Abschnitten bestehende Erzählung angelegt Ihre Geschlossenheit ist ein Beweis für die Einheitlichkeit des Entwurfs und der Abfassung. Die vorhin angeführte Aussage Gottes lehrt auch, woher Abrahams Erkenntnis und die Energie seines Lebensentschlusses stammten: nicht aus seinem Kopfe, sondern aus seinem Gewissen, aus der Sorge um Tugend und Gerechtigkeit, den „Weg Gottes", und Gott muß ihn deswegen erwählt haben, weil er sie ihm zutraute. Solche Predigt kann nur das Beispiel halten. Erziehen kann nur der Erzogene. Nicht der Intellekt, sondern das Ethos machte in Israel den Propheten. So „spricht" denn Gott zu ihm, d. h. weiß er sich von dem überweltlichen Urgrund der Wahrheit und Sittlichkeit klar und deutlich angeredet und unwiderstehlich gelockt und angetrieben: „Geh du! 284