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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 274

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Die Qabbala als rationales System
Date
1926-08-01
Page
274 (sequence 3)
Language
German
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Lasar Gulkowitsch dreizehnten Jahrhundert, noch vor dem Entstehen des Buches Zohar1), wurden beide Fragen von AJbulaf ja eingehender behandelt Seine Qelipothlehre, die sich an die platonische Ideenlehre anlehnt, besagt: Die Qelipoth (Schalen), die die substanziellen Formen enthalten, umgeben die Sefiroth. Am Ende des dreizehnten Jahrhunderts entstand dann der Zohar, der die ganze Qabbalistik umfaßt und die Frage nach der Entstehung der Welt auf folgende Weise beantwortet (Blatt i5a u. b): Vom Urpunkte (Nequda), vom Absoluten, Unbegrenzten, breitet sich eine Hülle um denselben aus, die nicht begriffen und betrachtet werden kann; diese bildet wiederum eine Hülle und so fort, bis allmählich auf diese Weise die Welt entsteht (Vgl. Paul Deussen, Sechzig Upanishads des Veda, Leipzig 1897.) Nach dieser historischen Skizze sei nunmehr die philosophische Gedankenwelt der Qabbala systematisch betrachtet und die Gesamtheit ihres Lehrgebäudes im Zusammenhang dargestellt Die Qabbala wird nach dem Zohar und dem Sefer Jesira in eine theoretische oder theosophische und in eine praktische oder theurgische Qabbala eingeteilt (Qabbala ljjunith und ma'asith). Jene zerfällt in die Metaphysik, in der das Absolute und die zehn Grundzahlen erläutert werden, die den qabbalistischen Baum bilden, aus dem die Schöpfung entstanden ist Die Lehre vom Absoluten beschäftigt sich mit der Erforschung Gottes. Gott ist dem Qabbalisten die Ursubstanz, aus der die Welt entstanden ist Er ist zugleich Ursache und Substanz oder — nach Spinozas Ausdrucksweise — immanenter Grund des Weltalls. Er ist ein Wesen, das nicht sinnlich aufgefaßt werden kann; er ist unendlich und kann deshalb weder als Gesamtheit der Wesen noch als die Summe seiner eigenen Attribute angesehen werden. Ohne seine Attribute können wir allerdings das göttliche Wesen nicht erfassen. Vor der Schöpfung war er gestaltlos und glich dem Nichts. Dieses unendliche Wesen, En-Sof, ist das allerhöchste Wesen und steht als solches einzig da. Es ist einheitlich, einfach und unwandelbar, erhaben über Raum und Zeit Es ist aus sich selbst entstanden, ohne irgend welche Ursachen,. J) Der Zohar wurde zum erstenmal zu Cremona, dann i558—i56o in Mantuja gedruckt. 274

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