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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 275

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Die Qabbala als rationales System
Date
1926-08-01
Page
275 (sequence 4)
Language
German
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Die Qabbala als rationales System Daher kann es der Mensch mit seinem Verstand nicht positiv, sondern nur negativ begreifen; denn nur was eine Ursache hat, kann man positiv verstehen. Trotzdem ist Gott für den Qabbalisten real, existierend, weil eine Ursubstanz eben ohne Ursache vorhanden sein muß. Die Metaphysik Spinozas gleicht derjenigen der Qabbala durchaus. Im Gegensatz zu Grätz glauben wir mit Misses (Spinoza und die Qabbala, Zeitschrift für exakte Philosophie, Band 7/8), daß Spinoza seine Hauptidee nicht aus dem Buche „Scha'are haschamajim", sondern aus der Qabbala geschöpft hat Wenn Spinoza sagt: „Gott ist die immanente und nicht bloß die transzendente Ursache aller Dingeso ist dem der qabbalistische Satz aus dem Zohar an die Seite zu stellen: „Gott ist nicht nur der Alles Belebende* sondern das Wesen von Allem." Manche Qabbalisten sprechen dem unendlichen Wesen in seiner absolutesten Form die Uridee ab; sie fassen das reine Sein als das Unbewußte auf, das zum Bewußtsein kommt Dieses Bewußtwerden ist die Uridee. Mit dem Selbstbewußtwerden wurde die dunkle Gottheit zu Licht Dieses gedachte Sein ist die Einheit alles Seins und zugleich auch der Wille zum Dasein, der Urwille; in ihn ist die Urkraft und das Prinzip des Werdens nach der Uridee gegeben. Diese Einheit des Seins ist durch die Zahl eins symbolisiert, die in allen übrigen Zahlen enthalten ist Im Urbeginn hatte der Wille Formen; diese Formen sind Grundideen^ die zuerst von der Uridee, dann vom Urwillen abgeleitet worden sind. Diese Grundideen sind die zehn Sefiroth. Über das Verhalten der Sefiroth zu Gott gibt die Qabbala zwei verschiedene Erläuterungen. Die eine, die aus dem dreizehnten Jahrhundert stammt, geht von dem Prinzip aus, daß Gott unveränderlich ist und die veränderlichen Sefiroth daher von Gott getrennt werden müssen. Die zweite Erklärung dagegen besagt: die Sefiroth sind mit der Gottheit zu identifizieren, weil sie in ihrer Gesamtheit das En-Söf darstellen; die einzelne Sefira ist nur ein Gesichtspunkt, von dem aus man das Unendliche begreifen kann. Diese Sefiroth werden von den Qabbalisten in Gestalt eines Baumes angeordnet und heißen daher „Qabbalistischer Baum". Dieser Baum besteht aus drei Säulen, deren rechte diejenige der männlichen Attribute, deren linke die der weiblichen Attribute bildet, während sich in der Mitte die verbindende- Säule befindet 275

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