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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 265

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Religiöse Not
Date
1926-08-01
Page
265 (sequence 7)
Language
German
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Religiöse Not Göttlichkeit der eigenen Natur" stamme, wird heilige Scheu des jungen jüdischen Menschen zurückweichen. Gar jener, der Hegeischen Methodik entsprechende Gedanke, „das Mystische ist nicht Verborgenheit eines Geheimnisses, sondern besteht darin, daß das Selbst sich mit dem Wesen eins weiß . ." widerstrebt unmittelbarem religiösen Fühlen jüdischer Menschen, ganz wie die Ineinssetzung von Gott und Natur bei Schelling, die eine Wiederkehr der Lehre Spinozas bedeutet, jener Lehre, die auch von heutigen Juden als kühne Konzeption empfunden wird, nicht aber vereinbar mit jüdischer Religiosität Denn auch in mystischer Ekstase bleibt sich der Jude stets der Geschiedenheit, des Dualismus von Gott und Ich, von Gut und Böse, Gott und Welt bewußt So wurde das Hinausstreben des Gottsuchers Franz Rosenzweig über Hegel in seinem „Stern der Erlösung" als eine „Tat" gerade von vielen der Besten jüdischer Jugend empfunden. Wenn trotzdem auch Rosenzweig die erlösende Formel den Suchenden nicht zu geben vermochte, so mag dies zum Teil an der Beibehaltung der schwer verständlichen Hegeischen Methodik liegen; mehr aber noch ist's wohl darin begründet, daß er das für das religiöse Bewußtsein schlechthin Daseiende mit der Dialektik als Beweismittel und nicht mit der einleuchtenden Sprache der starken religiösen Schau zu deuten sucht Die starken Gegensätzlichkeiten bei Erfassung und abstrakter Darlegung des wesenhaft Religiösen, wie sie auch bei den Führern der Geisteswissenschaft obwaltet, erhellt blitzartig Simmeis Schrift „Die Religion" und die in Vorträgen und Büchern, namentlich in „Ich und Du" geäußerten Gedanken von Martin Buber. Simmel sieht im Religiösen eine das individuelle und soziale Leben erhöhende Sphäre neben der des Denkens, der Sittlichkeit, der Kunst; für Buber hingegen ist die Religion die das ganze Leben übergreifende Sphäre, aus der der Mensch niemals heraustritt III. Bei solcher Sachlage glaubte man darum in den Bünden bewegter Jugend den aus der eigenen Brust klingenden Stimmen folgen zu sollen. Von einer starken Hingabe an die Natur, ihre Schönheiten und Rätsel erhoffte man das Heil, das sich in der Gemeinde der betenden Genossen und bei jüdischen und nicht jüdischen Philosophen nicht finden ließ. Doch es war Irrtum und Selbstbetrug bei jüdischer Jugend, wenn sie wähnte, über dem Entzücken an einer Abendstimmung oder am Schweigen des Waldes in sommerlicher Mittags- 265

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