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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 264

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Religiöse Not
Date
1926-08-01
Page
264 (sequence 6)
Language
German
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Gustav Löffler nichtjüdische Denker um die klare begriffliche Fassung vom Wesen des Religiösen gegeneinander rangen, und daß auch sie der Wesenhaf tigkeit des Religiösen als seelischer Spannung und entfalteter Kraft nicht — wenigstens nicht für unser heutiges Fühlen — gerecht zu werden wußten. Die bekannt» satirisch-kritische Äußerung über die Stellung, die einst Kant dem religiösen Prinzip in seinem Systeme eingeräumt, da er Gott in der „Kritik der praktischen Vernunft" wieder einließ, den er zuvor in der „Kritik der reinen Vernunft" ausgeschlossen hatte — diese Äußerung findet in weiten geistig regen Schichten des heutigen jungen Geschlechtes Widerhall; nicht etwa aus theologischer Enge, aus Mangel an Achtung vor dem Genius des Königsberger Weisen, vielmehr aus unmittelbarem „Instinkt" ihres religiös, gestimmten Ich. Bei der Verwandtschaft der Naturen und Methoden ist es naheliegend, daß auch die Sprache und die letzte begriffliche Prägung vom Religiösen, wie sie dem größten Kant-Erneuerer, Hermann Cohen, eigen ist, als dem lebendig religiösen Fühlen vieler jüngeren Geister nicht gemäß empfunden wird. In dankbarer Demut beugt man sich vor der Tiefe und Schönheit seiner Gedanken und vor dem jugendlichen Schwung, mit dem er in seinem Spätwerk „Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" für den Geist des Judentums Zeugnis vor der Welt ablegte. Daß er aber gerade in diesem Werke seiner letzten Jahre im Rationalen befangen blieb, die Religion als letzte Konsequenz der „praktischen Vernunft", als unentbehrliche Voraussetzung der Idee des Sittlichen dartut, und über-vernünftigen, als „geheimnisvoll-offenbar" in der Luft des Religiösen sich äußernden Regungen mit Leidenschaft entgegentritt, läßt ihn als religiösen Führer gerade der Sehnsucht unsrer Tage nicht geeignet erscheinen. Weit vertrauter klingt's den suchenden Menschen dieser Zeit aus der Sprache Schellings und Hegels, wenn sie die „absolute Substanz und die Natur", den „Geist an und für sich" und in seiner Entzweiung zur geisterfüllten Wirklichkeit, zum Selbst als Träger göttlichen Geistes zu begreifen lehren. Hegel zumal kommt der Sehnsucht und dem starken Ich- Bewußtsein der Jungen weit entgegen, wenn er die Liebe als das Grundprinzip des empirischen Charakters statuiert, und wenn er das dem jüdischen Ohr vertraute Wort geprägt, es sei „Glaube an das Göttliche nur dadurch möglich, daß im Glaubenden selbst Göttliches ist". Jenes frohe Bekenntnis aus dem täglichen Morgengebete „Herr, die Seele, die D u mir gegeben, sie ist rein", findet dort den philosophischen Ausdruck. Und doch — gerade vor der Fortsetzung jenes Hegel-Wortes, wonach „der Glaube an das Göttliche aus der 264

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