Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Erwägungen zu "Nathan dem Weisen"
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 254 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Robert Arnold Fritzsche als „idyllisch" oder „bürgerlich" belächelt. Auf dem Hintergründe des „Wallenstein" hätte sich Lessings Lehre nicht verleiblichen lassen, oder er wäre eben lehrhaft geworden und hätte sich an der Historie vergriffen. Schiller dringt vor in das geschichtliche Gewoge, und so muß er die Gottheit gänzlich hineinziehen in den Willen und in das Ich, muß, abgewandt wohl der trügerischen Mathematik der Astrologie, aber nicht mehr „gottergeben" wie Nathan, die Sterne des Schicksals in der Brust versammeln. VI. In Nathans Religion also vertritt der Ewige die der Kategorie der Zeit entrückte Ewigkeit1) Auf diesem Standort fragen wir noch einmal: „Wie steht der Mensch zu Gott?" — Gottfried Fittbogen2) tadelt Nathans Tugendstolz. Er denkt an Stellen wie: „Dies Eigentum allein Dank' ich der Tugend." (I, i.) oder an die „Tat", von der Nathan (IV, 7) dem Klosterbruder erzählt, daß er als „gottergebner Mensch" sie „sich abgewonnen" habe. Fittbogen stößt sich vor allem an den Worten Saladins (III, 7) über die Begnadigung des Tempelherrn: „Wie aus einer guten Tat, Gebar sie auch schon bloße Leidenschaft, Doch soviel andre gute Taten fließen." Er bemerkt dazu: „Die wesentliche Schwäche der ethischen Anschauungen im ,Nathan' besteht darin, daß den Handlungen hier Eigenwert zukommt Die Handlungen sind losgelöst von der Gesinnung." „Eine Tat aus bloßer Leidenschaft, zu welchem Ergebnis sie auch führen mag, ist nie ethisch gut" Sie kann aber gut, d. h. heilsam sein in der Ordnung Gottes, nach dessen Willen manchmal sogar aus einer bösen Tat eine Folge des Guten hervorgeht (Genesis 5o, 20). Über den sittlichen Wert des Täters ist damit nichts ausgesagt, der „Eigenwert" der Handlung wird ihm nicht zugerechnet Nathan betet nach dem zweiten Gespräch mit dem Klosterbruder: *) Über die Ewigkeit als „Nichtzeitigkeit" bei Maimüni vgl. David Kaufmann: Geschichte der Attributenlehre in der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters. Gotha 1877. S.4a6, Anm. 100. 2) „Die Religion Lessings." Leipzig 1923. S» 173 f. 254