Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 233 (sequence 11)
- Language
- German
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Zur Kritik der völkischen Ideologie kämpf gegen alle diese nichtjüdischen Geister schließlich Zeit und Kraft verlöre, den Antisemitismus zu pflegen. Wenn Stapel seine Art als die deutsche anspricht, so ist er in einer seltsamen Enge befangen. Er hätte diese seine deutsche Art zu verteidigen gegen eine Reihe anderer Formen deutscher Art Er hätte sie zu verteidigen gegen die weltbürgerliche Art Fichtes und Schellings, gegen die europäische Art Nietzsches, gegen die pazifistische Art Fr. W. Foersters, gegen die demokratisch-republikanische Art General von Schönaichs, er hätte sie zu verleidigen — doch wogegen hätte er sich nicht zu verteidigen?! Diese der deutschen Art Stapels feindlichen deutschen Geistesrichtungen werden vertreten von Menschen, die gleichen Volkstums sind wie StapeL Sind sie deshalb auch gleichen Sinnes? Gibt es eine schärfere Widerlegung der Slapelschen Behauptung, daß nur Menschen gleichen Volkstums in den entscheidenden Lebensfragen gleich fühlen und denken? Weshalb wehrt sich denn aber Stapel nur ausschließlich gegen die jüdische Art, die er als fremd gegenüber der deutschen, d. h. der Stapeischen Art zu empfinden vorgibt? Weil er sich den Kampf für sein völkisches Glaubensbekenntnis dadurch erleichtert, daß er die ihm feindlichen Überzeugungen mit dem negativ betonten Worte „jüdisch" bezeichnet Darin besteht der Kniff der völkisch-antisemitischen Politik: Der sachliche Gegensatz wird zu einem Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum. Der Sinn des Kampfes wird von der Sache auf die Rasse verschoben. Und dabei gibt es Juden, die sind preußisch-konservativ und militaristisch und es gibt Stammesdeutsche, die sind liberal und antimilitaristisch. An den Tatsachen der Wirklichkeit sieht der Doktrinär vorbei; das darf uns aber nicht abhalten, ihn immer wieder vor diese Tatsachen hinzuführen. — 3. Stapel bleibt bei der allgemeinen These — Gleichstämmigkeit ist die Voraussetzung der Gleichgesinntheit — nicht stehen; er versucht mittels einer eigenartigen Psychologie diese These an dem Verhältnis von Deutschtum und Judentum auch zu beweisen. Diesem psychologischen Versuche gelten die folgenden Ausführungen. Für Stapel ist, wie schon mehrfach hervorgehoben, Volk eine bloß naturhafte Wirklichkeit, wie Bienenschwarm und Korallenriff. Und wie eine Biene der andern psychisch gleicht, so soll auch ein Deutscher dem andern, ein Jude 233