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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 232

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-08-01
Page
232 (sequence 10)
Language
German
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Julius Goldstein Als Partei stellen die Völkischen sich auf dieselbe Fiktion ein wie alle andern Parteien: Vertreter des ganzen Volkes zu sein. Wenn Stapel es einem Theodor Wolf zum Vorwurf macht, daß er sich anmaße, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen, so kann man ihm einen ähnlichen Vorwurf zurückgeben. Auch er spricht im Namen des deutschen Volkes, ob er gleich nur das Recht hat, im Namen der völkischen Gruppe zu sprechen. Stapel, wie alle Vertreter des völkischen Kulturnationalismus, glauben mit naiver Selbstverständlichkeit berechtigt zu sein, ihre besondere Geistesverfassung als die deutsche Art anzusprechen. Eine nähere Bestimmung dessen, was deutsche Art denn eigentlich bedeute, gibt Stapel nirgends. Exemplifiziert wird sie nur als Gegensatz zur jüdischen Art, wobei jüdisch soviel heißt, wie die von irgend einem Juden vertretene Art Stapels Art literarischer Beurteilung, Stapels Art politischer Urteile ist deutsche Art So schreibt er: „Als Deutscher liebe ich deutsche Art Als Deutscher fühle ich mich verpflichtet, diese Art zu behaupten, denn eben darum bin ich als Deutscher geboren: es gehört zu meiner Bestimmung." Und was ist deutsche Art? Die Antwort kann nur lauten: was ich, Stapel, liebe, d. h. ich liebe Stapeische Art, und es gehört zu meiner Bestimmung, meine Art zu behaupten. Das möchte nichts spezifisch Deutsches sein. Aber man höre weiter: „Wenn ich nun inne werde, daß sie (die deutsche, d. h. die Stapelsche Art) empfindlich verwirrt wird von einem andern geistigen Wesen, und mag dieser andere Geist noch so glänzend und erhaben sein, dann — Tod und Teufel — habe ich das Recht, mich für meine Art zu wehren!" (p. 46.) Welch' eigentümliche Angst spricht aus diesen Zeilen! Welch' aufgeregte Empfindlichkeit gegenüber den Einwirkungen anderer Geister! Wie quallenhaft weich ist doch diese deutsche Art, daß sie so leicht entstellt werden kann! Man müßte sie hermetisch abschließen, denn wenn man auch aus ihrer Umwelt die Juden bannte, diese deutsche Art wäre vor empfindlicher Verwirrung nicht geschützt Denn auf sie dringen verwirrend englische, französische, italienische, russische, chinesische, indische Geister ein, und dagegen müßte die deutsche Art sich wehren. Will Stapel auch antienglisch, antifranzösisch, antiitalienisch sein, er käme ja dann vor lauter antis gar nicht zu sich selbst, und die deutsche Art liefe Gefahr, daß sie im Abwehrcharakter mehr oder minder vorherrscht, und die oft fragwürdigen macchiavellistischen Naturen. Die Spannung zwischen beiden Typen hat schon vielfach zu peinlichen Enthüllungen katilinarischer Pläne geführt. 232

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