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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 229

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-08-01
Page
229 (sequence 7)
Language
German
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) Zur Kritik der völkischen Ideologie mühungen gelingt es schließlich, für sie Leutnantsstellen bei zwei preußischen. Kavallerieregimentern zu finden. (K. v. Schlözer: „Chasot, Zur Geschichte Friedrich des Großen und seiner Zeit", Berlin 1857.) Robert Michels hat in einem Vortrag über „Die historische Entwicklung des Vaterlandsgedankens" aufschlußreiches Material zum Wandel der Gruppierungsmotive gegeben. „Um ihre Religion im Lande zu befestigen, begingen beide, Katholiken wie Protestanten, beständig Handlungen, die wir heute als Hochverrat bezeichnen würden, die aber damals durchaus dem natürlichen Empfinden entsprachen, da eben im Bewußtsein der Menschen des achtzehnten Jahrhunderts die Pflichten der konfessionellen Solidarität diejenigen der nationalen Solidarität bei weitem an Schwerkraft überwogen. So trug niemand Anstand, zur Verteidigung der eignen Religion und Niederschmetterung des Bruders, sofern dieser sich einem andern Glaubensbekenntnis verschrieben hatte, kurz zu Heilszwecken, den Feind ins Land zu rufen." (Verhandlungen des 2. deutschen Soziologentages, Tübingen io,i3, p. i46.) Solcher Beispiele für Wandel und Verschiedenheit der Gruppierungsmotive gibt es zahllose. Was beweisen sie? Daß die Analogie von zoologischer Art und Volk unzutreffend ist Das Gruppierungsmotiv des Tieres ist durch seine Geburt, das des Menschen kann durch seine Geburt bestimmt sein. Nur für den Menschen gibt es daher einen Konflikt der Gruppierungsmotive, dessen wechselnde Lösungen aber nicht von der Natur sondern von der Geschichte bestimmt werden d. h. von denjenigen Idealen, die im Bewußtsein der Menschen vorherrschen. „Natürlich" ist eine historische Kategorie, — von den Sophisten und Stoikern bis zu Rousseau und den Völkischen. — 2. Aus der Analogie von zoologischer Art und Volk spricht ein Naturalismus, der den fundamentalen Unterschied von Tier und Mensch, von Natur und Geist aufhebt „Man könnte", schreibt Schelling einmal, „von dem Menschen überhaupt sagen, daß er bestimmt sei, seiner Persönlichkeit nach, als ein Opfer der ganzen Natur zu fallen. Jedes andere Geschöpf lebt, in bestimmten Grenzen, ein vorgezeichnetes Leben; sein beschränkter Charakter ist ihm Tugend und Recht, und wie es auch beschaffen sei, es ist in sich selbst rein und ohne Fehl. Der Mensch ist allen Widersprüchen offen, und durchläuft in sich allein fast die ganze Stufenleiter der Wesen, derselbe des Höchsten und Niedrigsten fähig." („Über das Wesen der deutschen Wissenschaft", Schelüngs sämtliche Werke, VIII. Band, p. i3.) Aber die Analogie 229 15

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