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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 227

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-08-01
Page
227 (sequence 5)
Language
German
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Zur Kritik der völkischen Ideologie eine ihrer Identität sich bewußte Einheit Daher der Kampf um die Schule bei allen volklichen Minoritäten, die einem anders-volklichen Staatsverbande eingegliedert sind. Zum sechsten: Die Art weist nur Exemplare auf, das Volk auch Persönlichkeiten, die seinem Leben neue Ziele setzen. Zum siebenten: Das Gruppierungsmotiv des Tieres gibt die Natur. Das Tier steht unter dem Zwang seiner Abstammung. Der Mensch ist „der erste Freigelassene der Schöpfung" (Herder); in ihm wirken noch andre Gruppierungsmotive als die der Abstammung — darin besteht seine Freiheit als geistiges Wesen. Das Gruppierungsmotiv des Tieres bleibt durch alle Zeiten das gleiche; die Gruppierungsmotive der Menschen wechseln von Epoche zu Epoche; man könnte denken, wie Rümelin einmal bemerkt, der Faden der Weltgeschichte wickle sich eben in der Reihe jener wechselnden zur Herrschaft gelangenden Motive für die menschliche Gruppierung ab. Am Anfang der Geschichte, wo Großfamilie, Stamm oder Klan die höchsten politischen Einheiten bilden, herrscht die Abstammung als natürliches Gruppierungsmotiv. Für das Zeitalter der patriarchalischen Gruppengebundenheit, in dem heute noch viele Naturvölker leben, möchte — mit entsprechenden Einschränkungen — die Formel von Gleichstämmigkeit und Gleichgesinntheit zutreffen. Aber alle geschichtliche Entwicklung hebt die ursprüngliche Einheit von Blutsgemeinschaft und Geistesgemeinschaft auf und fügt dem anfänglichen Gruppierungsmotiv der Blutsgemeinschaft solche der Religion, der Politik, der allgemeinen Kulturideen hinzu. Jedes Zeitalter schafft eine Wertordnung dieser Gruppierungsmotive, und diese Wertordnung wird für das eine Zeitalter ebenso „natürlich" empfunden, wie sie für das andere oftmals als den Gesetzen der Natur oder Gottes zuwiderlaufend empfunden wird. In der zweiten Auflage seiner Schrift, „Volksbürgerliche Erziehung", polemisiert Stapel gegen die Auffassung Meineckes, daß sich die Angehörigen einer Kulturnation vor allem als Staatsbürger fühlen müssen. „Also der Deutsche, der ein russischer Staatsangehöriger ist, hat sich im Kriege in Reih und Glied mit irgendwelchen Tartaren oder Kirgisen zu stellen, die ihm völlig wesensfremd sind und hat, mit diesen zusammen, gegen die zu kämpfen, mit denen er eines Blutes und einer Seele ist Regt es Euer Blut nicht auf, wie die Logik des menschlichen Verstandes über das göttliche Leben der Natur Ixiumphiert?" (p. 4a.) 227

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