Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-08-01
Page
225 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895463-2896981--01135-2897037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zur Kritik der völkischen Ideologie eine Blutsgemeinschaft Zwar lehnt Stapel dem Worte nach die Rasse als scheidendes Moment zwischen Deutschen und Juden ab; der Sache nach aber gilt ihm die Geburt und damit die Rasse als die alles entscheidende Rindung des Menschen- „Gott sendet die Menschen als Deutsche, Juden, Franzosen, Japaner in die Welt Wir Menschen können diese unsre naturhafte Wirklichkeit nur anerkennen"1) (p. n). Ist der Volksbegriff Stapels haltbar? Läßt sich die Analogie zwischen Art und Volk durchführen? Verhalten sich die Individuen zum Volk wie die Einzelwesen zur Art? Ist Gleichgesinntheit nur mit Gleichstämmigkeit verbunden? Die Prüfung dieser Fragen entscheidet über die Grundlagen der deutsch-völkischen Ideologie. i. Was ist gegen die Analogie von Art und Volk vorzubringen? Zum ersten: Schon auf biologischem Gebiet zeigt sich eine Einheit der Völker, die den Arten fehlt Grasmücke und Kuckuck, Drossel und Hund können miteinander keine Nachkommenschaft zeugen, wohl aber Deutsche und Juden, Italiener und Polen, Franzosen und Japaner. Der europäische Adel und die europäischen Fürstengeschlechter umfassen blutmäßig alle europäischen Rassen und Völker — einschließlich der Juden. Zum zweiten: Ungleich den Arten bilden die Völker bei aller Besonderheit eine geistige Einheit Hierfür gibt es keine Analogie in der Tierwelt — wir sprechen von einem Menschentum, nicht aber von einem Tiertum. Die Menschen, so verschiedenen Völkern sie auch angehören, können einander verstehen. Die seelischen Grundmotive sind bei aller individuellen Abwandlung doch die gleichen.2) Die Ausprägungen dieser Grundmotive gehen nach Ort und Zeit weit auseinander — erst ihre innere Einheit ist die Voraussetzung ihrer Verschiedenheit Der Lebensablauf der einen Art ist unabhängig von dem der andern; der Lebensablauf des einen Volkes ist aber verflochten mit dem des andern, wenigstens in der europäischen Kulturwelt Zum Verständnis des Bibers 1) Aber, so muß man Stapel antworten, um ihres Gottes willen trennten sich die auswandernden französischen Waldenser und Hugenotten von ihrem französischen Volkstum. Sie haben die naturhafte Wirklichkeit nicht anerkannt, weil ihnen die religiöse höher stand. 2) Dafür liefert ein eindrucksvolles Beispiel die Arbeit von H. Frick: „Der katholischprotestantische Zwiespalt als religionsgeschichtliches Urphänomen". Frick weist hier nach, daß die katholischen und protestantischen Grundmotive auch in der mohammedanischen, indischen und japanischen Religionsgeschichte wirksam sind. (Kairos. Herausgegeben von Paul Tillich, Otto Reichl Verlag, Darmstadt 1926.) 225

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.