Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 193 (sequence 6)
- Language
- German
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Ist Fichte ein Gesinnungsgenosse der Völkischen? Plackereien die Tartaren, die Neger, die nordamerikanischen Stamme sie ubernehmen und dem dermaligen Wesen ein Ende bereiten." Das möchte bei oberflächlichem Lesen wohl deutsch-völkisch anmuten — aber es hieße Fichte gründlich mißverstehen, wollte man in diesen Sätzen eine Aufforderung zu Eroberungsplänen sehen, wollte man in ihnen Motive und Ziele imperialistischer Machtpolitik erblicken. Alles, was heute als „nationale Belange" bezeichnet wird: Militär, Flotte, Kolonien, wirtschaftliche Ausbreitung, liegt Fichte völlig fern. Er sieht darin nur „Ausländerei", Abfall von der Idee des Deutschtums.1) Er beurteilte die Zeitereignisse nur in Ansehung dessen, was sie für die Bestimmung der Menschheit bedeuten. In der französischen Revolution war der Versuch unternommen worden, den Vernunftstaat zu schaffen — der Versuch endete mit einem Mißerfolg. Nun obliegt es den Deutschen, dieses höchste Ziel der Weltgeschichte zu verwirklichen. „Und so wird von ihnen aus erst dargestellt werden ein wahrhaftes Reich des Rechts, wie es noch nie in der Welt erschienen ist, in aller der Begeisterung für Freiheit des Bürgers, die wir in der alten Welt erblicken, ohne Aufopferung der Mehrzahl der Menschen als Sklaven, ohne welche die alten Staaten nicht bestehen konnten: Für Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschengesicht trägt Nur von den Deutschen, die seit Jahrtausenden für diesen großen Zweck da sind und ihm langsam entgegenreifen — ein anderes Element für diese Entwicklung ist in der Menschheit nicht da." Dieser Gedanke ist ausgesprochen mit den gleichen Worten in der „Staatslehre", über die Fichte i8i3 an der Universität Berlin Vorlesungen gehalten hat und in dem „Entwurf zu einer politischen Schrift im Frühling i8i3". Will man noch einmal den ganzen Abstand zwischen der Gesinnung Fichtes und der der Deutsch-Völkischen ermessen, so überdenke man die folgenden Worte aus dem Jahre i8i3, die unmittelbar nach dem Aufruf des Königs von Preußen „An mein Volk" und mit Bezug auf diesen Aufruf geschrieben sind: „Wenn wir daher nicht im Auge behielten, was Deutschland zu werden hat, so läge an sich nicht soviel daran, ob ein französischer Marschall wie Bernadotte, an dem wenigstens früher begeisternde Bilder der Freiheit vorübergegangen x) „O möchte doch nur den Deutschen sein günstiges Geschick ebenso vor dem mittelbaren Anteile an der Beute der andern Welt bewahrt haben, wie es ihn vor dem unmittelbaren bewahrt hat." (Reden an die deutsche Nation, XIII. Rede, p. 179, Reclamausgabe.) Vgl. auch daselbst p. 178 und 180. 193