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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 192

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-06-01
Page
192 (sequence 5)
Language
German
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Julius Goldstein Vor diesem Schicksal können, nach Fichte, nur die Deutschen die Menschheit bewahren. Aber weshalb gerade die Deutschen? In der Antwort auf diese Frage offenbart sich der ganze Unterschied zwischen dem Propheten des geistigen Deutschtums und den völkischen Baalspriestern der Rasse. Nicht den Deutschen als einer besonderen ethnischen Gruppe mit nordischem Rassengeist, nicht den Deutschen als einem gesonderten Volkstum neben andern kommt die Aufgabe der Welterneuerung zu — hierzu berufen sind nur die Deutschen als Träger ursprünglichen Geisteslebens. Nur bei den Deutschen, so glaubt Fichte, ist göttliches und ursprüngliches Leben zum Durchbruch gekommen und hat sich erhalten, und deshalb können nur sie es einbilden in die Welt) Fichte begründet seine Auffassung mit sprach- und geistesgeschichtlichen Hinweisen, über deren Fragwürdigkeit hier nicht zu urteilen ist Die Deutschen sind das einzige Volk, das noch eine Ursprache besitzt und mit dieser Ursprache die Fähigkeit der sinnbildlichen Erfassung des Übersinnlichen. Alle anderen romanischen und germanischen Völker von Weltbedeutung haben eine fremde Sprache übernommen und sich damit den Zugang zum Ewigen versperrt Die Deutschen haben durch Luther das religiöse Problem auf seine letzte Tiefe gebracht, durch Kant die Philosophie auf die richtige Bahn geführt, durch Pestalozzi den Gedanken der Volkserziehung gefaßt, und schließlich in der Fichteschen Wissenschaftslehre den Weg gewiesen für die Verwirklichung der letzten Menschheitsziele. So leben die Deutschen in Sprache, Religion, Philosophie und Erziehungslehre im Ursprünglichen und sind vorgedrungen in Tiefen, die den andern Völkern unerreichbar sind. Aufgabe der neuen Nationalerziehung, wie sie Fichte in den „Reden" vorträgt, wird es sein, die Gesamtheit des deutschen Volkes mit diesem Geiste des Deutschtums zu erfüllen. Um der Erhaltung dieses Geistes willen muß das deutsche Volk und das Vaterland erhalten bleiben. Für diese „höhere Vaterlandsliebe" opfert sich der Edle mit Freuden. Von hier aus erhalten erst die folgenden Sätze ihre Bedeutung: „Rettet nicht der Deutsche", so heißt es in dem Dialog ,Der Patriotismus und sein Gegenteil', „den Kulturstand der Menschheit, so wird keine andere europäische Nation ihn retten. Wird er aber nicht gerettet . . ., so versinkt der zweite menschliche Kulturstand ebenso in Trümmer, wie der erste in Trümmer versank." Wie grimmig ernst es Fichte mit diesem Glauben war, zeigt eine weitere Stelle aus derselben Schrift: „Übernimmt nicht der Deutsche durch Wissenschaft die Regierung der Welt, so werden zum Beschluß von allerhand 192

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