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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 174

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Goethe und die Juden
Date
1926-06-01
Page
174 (sequence 10)
Language
German
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Julius Bab ja noch in mittelalterlicher Schärfe begrenzt war, personlich nahe gekommen sind, ist uns nicht überliefert, und in dem kleinen Weimar gab es nur sehr wenige Juden. Mit manchem wird Goethe wohl in wenig bedeutende äußere Beziehung getreten sein, nur von einem ist uns der Name überliefert: Der Jude Elkan war offenbar ein Händler in Stoffen und Kleidern. Er kam für die Kostümbelieferung des Theaters in Betracht Und in dem Gedicht „Auf den Tod Miedings", des tüchtigen Thealermeisters, hat Goethe in durchaus nicht unfreundlicher Weise seiner gedacht mit den Zeilen: „Der Jude Elkan läuft mit manchem Rest, Und diese Gährung deutet auf ein Fest." Törichterweise empfanden später die Nachkommen dieses Elkan, die in der sozialen Stufenleiter emporgeklettert waren, diese Erwähnung als peinlich und baten Goethe, die Zeile zu ändern. Daß er es wirklich getan hat (die Zeile heißt jetzt: „Der tätige Jude läuft mit manchem Rest"), war freundlich genug von Goethe; aber die Torheit der Elkanschen Erben, die die Unsterblichkeit ihres wackeren Vorfahren aus gesellschaftlicher Eitelkeit gefährdeten, wird dadurch nicht geringer. Viel wesentlicher wurden die menschlichen Beziehungen Goethes zu auswärtigen Juden, berlinischen und österreichischen vor allem Daß ihm keinerlei Vorurteil im Wege war, das menschlich Gute, das geistig Erhebliche und Förderliche zu nehmen, wenn es ihm von Juden entgegengebracht wurde, ist ja selbstverständlich. Er zitiert und rühmt den jüdischen Philosophen Marcus Herz und sagt dabei: „Unser Herz". Er erwägt sehr ernstlich, ob und wie Meyerbeer für die Komposition seines „Faust" heranzuziehen sei. Er tauscht mit dem kunstsinnigen Sammler Friedländer in Berlin Antiquitäten, Medaillen und zierliche Komplimente aus. Nicht minder selbstverständlich wird es jedem Kenner des Goetheschen Wesens erscheinen, daß es bei schönen und reizvollen Frauen für ihn nicht das mindeste Hindernis bildete, wenn sie jüdischer Abkunft waren. Den leidenschaftlichen Enthusiasmus, den ihm die Rahei Levin, verehelichte Varnhagen, entgegenbrachte, hat er aufs wärmste und dankbarste empfunden. — Seine Beziehungen aber zu Marianne von Eybenberg, der Tochter des Berliner Bankiers Meyer, haben zum mindesten zeitweise einen zweifellos erotischen Charakter gehabt, und nach ihrem frühen Tode hat er ihr ein sehr treues Gedenken bewahrt und es im Briefwechsel mit ihrer Schwester, Sarah von Grpthus, aufs zarteste gepflegt. Wie diese Frauen — und übrigens noch eine 174

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