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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 158

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Sigmund Freuds Bedeutung für die Psychologie
Date
1926-06-01
Page
158 (sequence 2)
Language
German
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E. v. Aster die Entdeckung machte, daß hinter den hysterischen Symptomen „vergessene", dem Patienten weder an sich, noch in ihrer Beziehung zur Krankheit bewußte Erlebnisse seines vergangenen Lebens stecken, daß diese Symptome Wiederholungen jener Erlebnisse oder gegen sie gerichtete Abwehrhandlungen waren. Warum kann der Patient dieser doch in ihm wirksamen Tatsachen seiner Vergangenheit sich nicht bewußt erinnern, warum kann er sie in dieser veränderten Gestalt nicht wiedererkennen? Breuers Theorie nahm an, daß es sich hier um Erlebnisse handle, die in einer Art Dämmerzustand, einem „hypnoiden" Zustand erlebt wurden, zu denen eben darum kein Weg, kein „assoziatives Band" vom Normalbewußtsein aus führe: darum mußte der Patient in hypnotischen Zustand versetzt werden, um jene Erinnerungen wieder zu wecken. Die Freudsche Psychoanalyse im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin, der „Katharsis" Breuers, beginnt mit zwei Dingen: damit, daß Freud die Hypnose in der Behandlung fallen läßt, in der Überzeugung, daß es möglich sein müsse, den Patienten auch im Wachen zur Erinnerung zu bringen — und mit der Einsicht, daß hinter der Erinnerungslücke des Patienten nicht der Mangel einer assoziativen Brücke, sondern eine Art Aktivität, in gewissem Sinn ein sich nicht Erinnern-wollen, ein Ausweichen vor dem Bewußtwerden der fraglichen Erinnerung, ein „Verdrängen" steckt Indem aber Freud so den psychoanalytischen Verdrängungsbegriff schuf, tat er den wichtigen Schritt von der üblichen Vorstellungs- und Assoziationspsychologie zu einer „Triebpsychologie", einer Psychologie, die das Zentrum, den treibenden ursächlichen Grundfaktor des Seelenlebens im Trieb erblickt Denn darin liegt die große Bedeutung Freuds für die Psychologie der Gegenwart: sie ist der erste konsequent durchgeführte und durchdachte Versuch einer solchen Psychologie. Unsere ganze bisherige Psychologie war immer noch (trotz des bisweilen angewandten Schlagwortes „Voluntarismus") eine „Vorstellungsmechanik" nach dem Vorbild der englischen Assoziationspsychologie des 18. Jahrhunderts, wenigstens soweit sie Erklärung, Kausalerklärung des seelischen Lebens sein wollte. Es ist bedeutsam, daß heute, da die Assoziationspsychologie versagt, da man unwiderruflich eingesehen hat, daß diese den physikalischen Atomen nachgebildeten, nach den Assoziationsgesetzen sich vergesellschaftenden und trennenden Vorstellungen ein unzureichendes Schema an die Stelle der lebendigen seelischen Wirklichkeit setzen, die Neigung besteht, Psychologie in eine nur beschreibende Disziplin, eine Beschreibung von Typen aufzulösen. Der Wert des hier Geleisteten, der Werke von Spranger oder Jaspers etwa, soll 158

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