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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 157

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Sigmund Freuds Bedeutung für die Psychologie
Date
1926-06-01
Page
157 (sequence 1)
Language
German
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Sigmund Freuds Bedeutung für die Psychologie Ein Gedenkblatt zum 70. Geburtstag Von E. v. Aster „Wenn jemand den ganzen Tag über läuft und kommt abends ans Ziel, so ist es genug." Dieses Wort Schopenhauers kann Sigmund Freud sich zu eigen machen, wenn er jetzt vom biblischen Alter aus auf sein Lebenswerk zurücksieht Dauert auch in der Öffentlichkeit der Streit um die Psychoanalyse noch hie und da in den alten leidenschaftlichen Formen fort, wird die Lehre selbst auch in vieler Hinsicht sich noch wandeln und klären, so ist doch der Entwicklungsprozeß heute nicht mehr aufzuhalten, der die Grundlagen der psychoanalytischen Theorie und Praxis als unverlierbares wissenschaftliches Besitztum einfügt in unser Verständnis des menschlichen Seelenlebens, seiner normalen Gesetzlichkeit und mannigfachen seltsamen Seitenwege. Nicht von der ärztlichen Seite der Freudschen Arbeit und von der Psychoanalyse als Therapie der Neurosen soll in diesem kurzen Gedenkblatt die Rede sein — für ihre Würdigung wäre der Verfasser dieser Zeilen nicht zuständig —, sondern von der Bedeutung der psychoanalytischen Theorie und ihrer Begriffe für die Psychologie, für die Wissenschaft vom seelischen Leben überhaupt. Denn der Fortschritt und die Wandlung, die die Freudschen Lehren hier heraufführen müssen, scheinen mir größer und wichtiger zu sein, als man in den Kreisen dieser Wissenschaft selbst noch anzunehmen geneigt ist. Drei wichtige Gedanken kennzeichnen den Entwicklungsgang der Psychoanalyse. Der erste ist der des „Unbewußten" in der Gestalt des „Verdrängten", der zweite der der sexuellen Verursachung der Neurosen, der dritte der der infantilen Sexualität und der Stufen ihrer Entwicklung. Josef Breuer war es, der anläßlich des von ihm untersuchten berühmt gewordenen Hysteriefalles 157

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