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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Henri Franck
Date
1926-06-01
Page
143 (sequence 3)
Language
German
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Henri Franck Radau zu stören, trafen sie auf den Widerstand der von der Rue d'Ulm1) herbeigeeilten Normaliens, die sich um Henri Franck scharten. Henri Franck hatte 1906 die Aufnahmeprüfung für die Ecole Normale Superieure bestanden. Die neuen Reformen von Lavisse erlaubten ihm, als Externer an dem Unterricht dieser Hochschule teilzunehmen. Zugleich horte er an der Sorbonne. Dort fand er in dem Philosophen Frederic Rauh den Lehrer, der seinem Denken die Richtung wies und dem sein Dank gehuldigt hat Rauh (1861—1909; Verfasser von „L'Experience morale", 1903, und der posthum veröffentlichten „Etudes de Morale", 1911), eine tief innerliche, um die sittliche Wahrheit ringende Natur, war auf streng methodischem Wege zu einer Verurteilung aller ethischen Systematik gelangt Sittliche Gewißheit gab es für ihn nur als „praesens evidentia", als individuelle, aus dem Wesen des einzelnen und dem gegebenen Sachverhalt entspringende, nicht unter Regeln subsumierbare Forderung. Damit stellte er sich der soziologischen Schule entgegen; aber ebenso sehr wehrte er sich gegen den puren Intuitionismus. Das sittliche Leben hat nach ihm den Charakter einer Erfahrung, die der rationalen Deutung bedarf, die aber andrerseits nur durch Tat und durch Mitleben der Gegenwart zu gewinnen ist So sucht Rauhs Ethik Vernunft und Intuition zu verbinden, aber auch gegenseitig zu relativieren. Diese Lehre hatte für Henri Franck die Redeutung, ihn vor dem Irrationalismus der James- und Bergsonschüler zu bewahren. Sie flößte ihm „den Abscheu vor dem Unbewußtsein" (l'horreur des inconscients, Brief vom November 1910) ein. Sie gab ihm zugleich eine Abneigung gegen das rein spekulative oder genießerische Dasein des Intellektuellen ein und trieb ihn an, die Wirklichkeit des sozialen und nationalen Lebens kennen zu lernen. Der soziale oder sozialistische Idealismus der Bürgersöhne widerte ihn an. Was ihn anzog, war der Syndikalismus, wie er organisatorisch in der Confederation du Travail, geistig in dem Denken von Georges Sorel lebte. Hier schien die materialistische Plattheit und geistige Schlaffheit des Partei-Sozialismus überwunden durch einen neuen, asketischen und heroischen Mythos vom Werkschöpfer. Aber hatte die Genialitat eines Sorel ihn nicht geblendet? War dessen Syndikalismus nicht ein ebenso abstraktes System wie das eines Maurras, eines Barres? Henri Franck fand sich zurück zur vaterländischen Wirklichkeit, zum national-republikanischen Patriotismus. Das Elsaß, das er unter der i) Dort befindet sich die Ecole Normale. 143

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