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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Jona, Hiob und das Problem der Gerechtigkeit
Date
1926-06-01
Page
131 (sequence 4)
Language
German
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Jona, Hiob und das Problem der Gerechtigkeit isten ist auch die Materie gut, denn er kennt keinen Widerpart Gottes and das eigentliche Welträtsel ist ebenso das Ungerecht-Gute wie das Ungerecht-Böse. Aber das wirkliche Leben stellt alle unsere Forderungen nach einer Weltgerechtigkeit auf eine kämpferische Probe. Das jüdische Bewußtsein hat eine schmerzliche Formel dafür gefunden: Dem Gerechten ergeht es schlecht, dem Bösen ergeht es gut Zwei gewaltige biblische Dokumente haben diesen Kampf in allen seinen Stücken festgehalten. Daß es ein Übermaß an unverdienter Freude in der Welt gibt, daß es dem Bösen gut geht, ist das unendliche Thema der vier kurzen Kapitel Jona. Sie heben sich schon durch ihre Märchenstimmung von allen anderen Prophetenbüchern ab. Da gibt es eine Flucht übers Meer, Seesturm, Rettung im Bauch eines Walfisches, eine unermeßbar große Stadt, einen König, der sich seiner Pracht begibt und in Asche und Lumpen trauert, eine Riesenpflanze, die in einer Nacht aufwächst und in der nächsten verdorrt Und die bunte Oberfläche auf so kurzem Raum verführt dazu, das Leid des Propheten allzu leicht zu nehmen und ihm selbst mit jener lächelnden Überlegenheit zu begegnen, die er als Buße für sein Leben herauszufordern scheint Ja, er verbirgt sich nicht nur vor Gott in seiner Ekstase, er will lieber für eigensinnig gelten als für hingerissen. Aber schon die Erwägung, daß alle anderen Menschen des Buches, die Schiffer, die Einwohner Ninives, demütiger, wohlwollender, menschlicher sind als er, der einzige Jude, der zum Boten Gottes Auserwählte; daß er immer unzufrieden, immer gemartert, von Zweifeln herumgeworfen, doch nur wie von fern dem Weltlauf zusieht; daß alle anderen aus vitalem Drang das Leben ersehnen und er aus sittlichem Mißbehagen den Tod; daß die zweimal an ihn gerichtete Frage Gottes: Verdrießt es dich gar sehr? die eigentliche Grundstimmung seines gottliebenden Wesens trifft: das alles läßt hinter den raschen Vorgängen Widersprüche einer tieferen Schichte vermuten. Und wenn man nun weiter überlegt, wie nicht nur die Menschen als Zeugen gegen den Propheten aufgerufen werden, sondern das Meer, der Wind, die Sonne, das Riesentier des Wassers, der winzige Wurm, Erde und Pflanze (und sie alle nicht als Kulissen für die Erzählung, sondern als Beweger der seelischen Handlung) und wie der Kampf auf Leben und Tod, um den es in jedem dieser Kapitel geht, vom göttlichen Erzieher mit jenem nicht ermüdenden Lächeln besänftigt wird, das als bittende Frage die 48 Verse des Buches beschließt: dann fühlt man, daß hier eine einheitliche Welt und ein einheitlicher Mensch gestaltet sind und daß man erst alle 13t

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