Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- Salomon Maimon
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 126 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sophie Cassel erkennen, und daß nicht allein niemand von meinen Gegnern mich und die Hauptfragen so wohl verstanden (!), sondern daß auch nur wenige zu den gleichen tiefen Untersuchungen soviel Scharfsinn besitzen möchten, als Herr Maimon . . ." Damit war Salomon Maimons philosophischer Schriftstellerruhm begründet Die junge Kantgemeinde nahm Maimon als einen ihrer Besten in ihrer Mitte auf. Bald hatte auch das großangelegte Manuskript der Transzendentalphilosophie einen Verleger gefunden, ebenso andere seiner umfangreichen Werke. Salomon Maimon war so zu einem bekannten und oft diskutierten Schriftsteller seiner Zeitepoche geworden. Auch Fichte kannte seine Schriften. Er erwähnt ihrer anerkennend in der Vorrede über den Begriff seiner Wissenschaftslehre und schickt Maimon diese seine Abhandlung zu mit der Versicherung, daß er vor seinem Genie eine „grenzenlose Hochachtung" habe. Bestangesehene Zeitschriften jener Tage, so das „Berlinische Journal für Aufklärung", die „Deutsche Monatsschrift" u. a. bewerben sich um die Mitarbeit dieses merkwürdigen jüdischen Schriftstellers, unbeschadet mancher Schwächen im sprachlichen Ausdruck, die ihm noch bis zuletzt anhafteten. Carl Philipp Moritz, der Begründer des „Magazins zur Erfahrungsseelenlehre" gewann Maimon von 1792 ab zum Mitherausgeber dieser ersten Zeitschrift für empirische Psychologie C. Ph. Moritz war es auch, der die Lebensgeschichte seines Freundes herausgab, das letzte größere und einzige nichtwissenschaftliche Buch Maimons, das bei seinem Erscheinen ungeheures Aufsehen erregte, und wodurch der Verfasser nun auch dem großen Lesepublikum Deutschlands bekannt wurde. Der Ruhm aber änderte nichts an Maimons ruh- und regellosem Wanderleben; er machte ihn nicht glücklicher und nicht besser. Die Zerrissenheit des modernen Juden, der den Zusammenhang mit seinem Volk und seiner eigenen alten Kultur verloren hat, kam in Maimons Leben und Persönlichkeit erschütternd zum Ausdruck. Er konnte in sich die Synthese von neuem Zeitgeist und angestammtem Judentum nicht schaffen. Geistig war er ein kultivierter Europäer geworden, im praktischen Leben und im Verkehr mit Menschen war er der Ghettojude geblieben, ein Barbar in den Augen seiner christlichen Freunde, ein Ketzer und Fremdling in den Augen der Juden. Der in seiner Jugend geübte Zwang der Unterdrückung aller der geistigen Anlagen, die nicht unter religiöse Disziplin zu stellen waren, schlug bei diesem begabten aber einseitig gerichteten Menschen in einen maßlosen Aufklärungseifer um. Maimon 126