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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 127

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Salomon Maimon
Date
1926-06-01
Page
127 (sequence 9)
Language
German
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Saiomon Maimon war einer der fanatischsten Aufklärungs- und Vernunftmenschen seiner Zeit Er begriff das rein Intellektuelle und das Streben nach der größtmöglichsten Ausbildung des Verstandes so sehr als das Höchste im Menschendasein, daß er diesem einseitig überspannten, intellektualistischen Ideal, das ihm zugleich auch das höchste ethische bedeutete, alle anderen Menschenwerte opferte. Sein Leben war ein immerwährendes Streben gewesen, voll Entbehrungen und Leiden, aber auch reich an selbstverschuldetem Elend, an Verirrungen, Widersprüchen und Halbheiten. Sein Sterben war traurig: ohne Glauben an eine seelische Fortdauer und mit dem Bewußtsein eines doch nicht erfüllten Lebens. „Ich bin ein toller Mensch gewesen," sagte er auf seinem Sterbelager, „unter den Tollsten der Tollste, und wie sehr wünschte ich das anders!*' Er starb im Spätherbst des Jahres 1800 auf dem Gute des Grafen Kalkreuth nahe bei Glogau. Die jüdischen Gassenjungen liefen höhnend und Steine werfend hinter seinem Sarge her. Als Ketzer wurde er in einem äußersten Winkel des Glogauer Judenfriedhofes bestattet Seine Grabstätte ist nicht mehr bekannt 127

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