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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Salomon Maimon
Date
1926-06-01
Page
121 (sequence 3)
Language
German
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Salomon Maimon und Erklärungen zu den zwei Hauptsystemen der Kabbala: der Lehre des Rabbi Moses Cordovero2) und der des Rabbi Isaac Lurja s); macht sich endlich auch mit der damals aufblühenden neu-chassidischen Richtung bekannt; unternimmt eine wochenlange mühsame Reise zu Fuß, um das Oberhaupt dieser Bewegung aufzusuchen und in die Geheimnisse seiner Lehre einzudringen. Alle diese Studien jedoch befriedigten ihn noch nicht Er wünschte nach seinen eignen Worten die Wissenschaft „nicht in Fabeln eingehüllt, sondern in ihrem natürlichen Lichte zu erblicken". Ihm war klar, daß er dazu der Kenntnis moderner Sprachen bedürfe. Woher sie aber erlangen? Nicht als geringste Schwierigkeit stellte sich ihm dabei das Vorurteil der eigenen Glaubensgenossen in den Weg. Da hilft ihm ein Zufall. An einem Talmudfolianten entdeckt er eines Tages einige fremde Schriftzeichen, die der hebräischen Seitenbezeichnung beigedruckt waren. Er errät daraus das deutsche Alphabet, versucht danach ein paar Seiten aus einem alten deutschen Buche zu entziffern, und es gelingt Voll Freude beschließt er, den Oberrabbiner eines entfernteren Städtchens aufzusuchen, von dem er gehört hatte, daß er deutsche Bücher besäße. Mitten im Winter, ohne seiner Familie etwas davon zu sagen, ohne sich im mindesten um Fahrgelegenheit und Reisekosten zu kümmern, macht er sich auf den Weg. Nach flehentlichen Bitten und eindringlichen Vorstellungen erhält er von dem sehr erstaunten Manne, dem während seiner mehr als 3o jährigen Amtszeit noch kein derartiges Anliegen vorgekommen war, eine alte Optik, Sturms Lehrbuch der Physik und einige medizinische Bücher. Wer war glücklicher als Salomon! Dem Wißbegierigen wurden auf einmal die Augen aufgetan. Indem er den deutschen Text entziffern und lesen lernte, faßte er, trotz des Mangels an aller Vorbildung, auch schon den Inhalt sicher auf. Er glaubte nun, in diesen Büchern den Schlüssel zu allen Geheimnissen der Natur gefunden zu haben. In dem Eifer, sich von seinen bisherigen falschen Vorstellungen über die Dinge und Vorgänge in der Natur mit nach Berlin. Seine nachgelassenen Handschriften — 25 an der Zahl, teils hebräisch, teils deutsch abgefaßt — sollen nach dem Bericht eines Zeitgenossen im Jahre i8i5 im Besitz eines Herrn Frankel in Glogau gewesen sein. Jak. Fromer, der die Lebensgeschichte Maimons neu herausgegeben hat, hat Nachforschungen nach dem jetzigen Verbleib dieser Manuskripte angestellt, die aber erfolglos geblieben sind. 2) Gestorben 1670 in Safed. 3) Geboren i534 in Jerusalem, gestorben 1572 in Safed. \2\

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