Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1926-04-01
Page
103 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895461-2896706--00982-2896834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Erzväter in den Worten ausspricht: Jeder Besonnene wird in Abraham, Isaak and Jakob geschichtliche Personen erkennen. Aber wenn auch an der Geschichtlichkeit der Erzväter nicht zu zweifeln ist, so sind die biblischen Erzählungen von ihnen doch nicht mit dem Maßstab einer Geschichtsschreibung zu messen, die sagen will, „wie es eigentlich gewesen ist". So wenig jemand glauben wird, daß die in ihnen vorkommenden Reden zwischen den Menschen oder gar zwischen Gott und den Menschen sofort aufgenommene wörtliche Wiedergaben sind, so wenig sind die Geschichten photographierte Wirklichkeit, die ja auch gar nicht möglich ist Jeder Bericht ist Auswahl, Verkürzung und Bearbeitung all des tatsächlich Geschehenen. Die biblische Erzählung ist auch nicht naiv fabulierende Sagendichtung, die einen geschichtlichen Kern mit dem Gerank ihrer Phantasie umspinnt, eine Sammlung von „Sagenkränzen" mit allerlei „Bauernschwanken", mit denen man sich am Lagerfeuer unterhielt, sondern sie hat bewußt lehrhafte Absichten und Zwecke und das geschichtliche Material ist ihr nur ein Mittel, ihnen Gestalt zu geben. Die Freiheit, mit der es bearbeitet wird, kann ein erheblich verändertes Aussehen zur Folge haben und es wird mit unseren bisherigen Mitteln in den meisten Fällen unmöglich sein, die ursprünglichen Bausteine, die Entwicklung der literarischen Motive und sprachlichen Ausdrucksweisen festzustellen. Aber schließlich ist das künstlerische Bildnis wahrer als die Photographie, wofern nur ein lebendiger Mensch dazu gesessen hat, was von den Erzvätern nicht geleugnet werden kann, und von ihrem wie immer zugekommenen Bilde ist selbst wieder geschichtliche Wirkung ausgegangen. Über die Zeit der Abfassung läßt sich mit Gewißheit ebensowenig ausmachen, wie über die literarische Werkstätte. Daß sie auf Mose zurückzuführen sei, wird in der Thora nirgends behauptet Wenn man sie, ganz oder teilweise, mit Wahrscheinlichkeit in die frühere Königszeit versetzt, so ist nicht nur alle Überlieferung, sondern auch die vormosaische Zeitfarbe mit Sorgfalt gewahrt 8. Die Erzählungen bilden ein schon durch den Faden der Generationen Vater, Sohn, Enkel, Urenkel zusammenhängendes Ganzes. Das Interesse an der Verwandtschaft der Stämme und Völker schuf den Rahmen der Toledot (Nachfolgen): Terachs, des Vaters von Abram, Nahor und Haran - Isaaks - Ismaels - Esaus - Jakobs, wie vorher: Adams - Noahs - der Noachiden - Sems - der Semiten. Die Nebenlinien werden nur kurz abgetan: Esau mit einem Kapitel — Ismael mit wenigen Versen. Das Ganze ist auch nach einem einheitlichen Plane aufgebaut Aber jede Erzählung für sich ist durchgebildet, so daß eine Reihe t03

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.