Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 102 (sequence 6)
- Language
- German
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B. Jacob Laban schließen, spiegeln die Vertragsverhältnisse Israels mit den Philistern and Aramäern wieder. Manche Geschichten sollen gewisse Erinnerungen z. B. alte Einrichtungen, Namen von Personen und Ortschaften als Erlebnisse der Erzväterzeil deuten. Hieran ist gewiß manches wahr. Es ist richtig, daß viele Personennamen der Genesis nichts anderes als Namen von Völkern sind und sogar nichts anderes sein wollen. Ein deutliches Beispiel war bereits die Völkertafel. Völker- und sogar Ländernamen erscheinen hier innerhalb eines Schemas der Familienabstammung als Väter und Söhne, z. B.: die Söhne Japhets waren Gomer, Magog, Madaj (Medien) und Jawan (Jonien); die Söhne Harns waren: Kusch (Aethiopien), Mizraim (Aegypten), Phut und Kanaan; und Mizrajim zeugte „die" Ludim, „die" Anamim usw. Auch für einige Figuren der Erzvätergeschichte wie Ammon, Moab und selbst Ismael darf man dies gelten lassen. Es ist ferner nicht zu verkennen, daß hinter den Hauptpersonen, an denen der Blick haftet, ein weiterer Hintergrund und größere Zusammenhänge stehen. Wenn Abraham imstande ist, nur von seinen Hausgeborenen dreihundertachtzehn Mann zum Kampfe auszurüsten, wenn Jakob und Laban bei ihrem Bündnis von ihren beiderseits anwesenden „Brüdern" sprechen, wenn Esau dem Bruder mit vierhundert Bewaffneten entgegenzieht, so sind sie nicht mehr nur Familienväter, sondern Anführer nicht unbeträchtlicher Stämme mit allerlei Anhang. Auch der Oberfall der Stadt Sichern kann unmöglich nur durch die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, gemacht worden sein. Die „zwölf Söhne" Jakobs von vier Frauen und die „siebzig Seelen" seines Hauses sind ein Schema mit typischen Zahlen. Endlich wäre die Zeit für die Bildung dieser Völkerverhältnisse viel zu kurz. Manche Erzählungen haben nicht nur unzweifelhaft einen politischen Hintergrund, sondern die ganze Genesis hat deutlich politische Tendenzen. Sie spannt ihren Blick über die ganze Völkerwelt und widmet besondere Sorgfalt den Beziehungen der Erzväter zu ihren Nachbarn, d. h. Israels zu seinen Nachbarvölkern. Aber mit allen solchen Einschränkungen ist es dennoch unmöglich, alle Erzählungen in Stammesgeschichten umzusetzen. Dazu sind sie zu persönlich und lebendig. Schon Abraham widersteht solcher Deutung durchaus, auch Isaak und Jakob sind Menschen von Fleisch und Blut, zu schweigen von einer Gestalt wie Joseph. Wir kommen somit zu demselben Resultat, das ein berühmter, ganz gewiß nicht dogmatisch befangener Kritiker der alten Geschichte (Alfred v. Gutschmid) 102