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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 101

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1926-04-01
Page
101 (sequence 5)
Language
German
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Die Erzväter Jakob bedeutet „er belohnt", was nur der Beiname eines Gottes sein könne u. dgL m. Geradezu abenteuerlich sind die Erklärungen aus der babylonischen Astralmythologie. Die Götter der Babylonier waren Gestirngottheiten, und Vorgänge am Himmel wurden in mythische Geschichten umgedeutet So sollen die zwölf Söhne Jakobs die zwölf Tierkreisbilder oder jeder der drei Erzväter u. a. eine der wechselnden Mondgestalten sein oder doch Motive und Ausdrücke aus diesem Vorstellungskreis entlehnt haben. Wenn möglich noch phantastischer als diese Mondscheinphantasien sind die Deutungen aus der ägyptischen Mythologie. Die vornehmsten Gestalten der Urgeschichte Israels entsprechen den Hauptfiguren des ägyptischen Pantheons oder tragen deren charakteristische Züge an sich. Z. B. die Einkehr Gottes bei Abraham in Mamreh und die Erzählung vom Untergang Sodoms ist „wahrscheinlich" ein© Übertragung des ägyptischen Mythos von der Vernichtung des Menschengeschlechtes durch Re und die Göttin Hathor, Abraham ist gleich Nun, Gott gleich Re, Sara ist Nunet, die weibliche Ergänzung Nuns, des Gottes der unterirdischen Zone. Ist Abraham gleich Nun und Sara gleich Nunet, so muß ihr Sohn Isaak gleich Amon-Re sein, seine Frau Rebekka ist Hathor, Jakob und Esau sind das Zwillingspaar Keb und Nut usw. usw. Das wahre Verhältnis ist dies, daß wo etwa mythische und menschliche Erzählungen sich der gleichen Ausdrucksweise bedienen, die mythischen sie entlehnt haben, nicht umgekehrt Ernster zu nehmen ist eine andere Erklärungsweise: die stammesgeschichtliche. Man sagt, die Entstehung eines Volkes könne nicht so einfach und schematisch vor sich gegangen sein, wie es die Patriarchengeschichte darstellt Kein Volk sei die leibliche Nachkommenschaft Eines Mannes, es entstehe durch Zusammenschluß und Verschmelzung verschiedener Stämme, sei es durch Eroberung, sei es auf friedlichem Wege. Die Erzväter seien Personifikationen des Volkes. Die Geschichte eines Volkes sei auf die eines Mannes gebracht Danach müssen seine Erlebnisse wieder zurückübersetzt werden. Z. B. seine Wanderungen sind Wanderungen eines Stammes, Heirat bedeutet Verschmelzung von Stämmen, Nebenfrauen sind schwächere Stamme oder Stammesgruppen. Die Genesis ist eine Sammlung von Sagen, erfunden, um spätere Verhältnisse und Völkerbeziehungen zu erklären. Die Trennung Abrahams von Lot und Jakobs von Esau soll die Trennung der Völker Ammon, Moab und Edom von den hebräisch-israelitischen Stämmen veranschaulichen, die Bünde, die Abraham und Isaak mit Abimelech, Jakob mit 101

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