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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 100

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1926-04-01
Page
100 (sequence 4)
Language
German
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B. Jacob Rationalismus, denn auch ein profaner Geschichtschreiber würde im Wesen auf dasselbe hinauskommen, wenn er den letzten Antrieben in der Seele seines Helden nachspürt Nur daß in der biblischen Geschichte das Gottliche als ein lebendiges anderes Ich auftritt Ausnahmen von jener Regel scheinen nur in der Geschichte Abrahams die Bestrafung des Pharao und die Blendung der Leute von Sodom zu sein; in beiden Fällen sind es Bösewichter, auf die Mahnungen keinen Eindruck gemacht hätten. Von den Lebensfügungen sind nur die Josephs überraschend, wenn auch keineswegs wunderbarer als die vieler wohlbeglaubigter Menschengeschicke, während die der Erzväter an Verwicklungen sogar arm sind. Von dieser Seite steht also der Geschichtlichkeit der Personen nichts im Wege. Nur in den Lebensjahren müßte man Abzüge machen, um Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit herzustellen. Durchaus verfehlt ist der Versuch, in den Gestalten der Erzväter lokale kanaanitische Gottheiten zu finden, die in der israelitischen, nur Einen Gott anerkennenden, Religion zu Heroen und Menschen herabgesetzt worden seien, und zwar sei Abraham ursprünglich der Gott von Hebron gewesen, weil sich seine Geschichte hauptsächlich an diesem Orte abspielt, während Isaak an Berseba „haftet", Jakob aber eine kompliziertere Figur ist Nun bietet allerdings die Religionsgeschichte genug Beispiele für einen solchen Vorgang. So hat die christliche Kirche vielfach heidnische Gottheiten, die sich aus dem Denken des Volkes nicht verdrängen ließen, dadurch unschädlich gemacht, daß sie sie zu niederen Wesen degradierte oder ihre Eigenschaften, Kräfte und Taten auf Heilige übertrug. Aber in diesen Fällen kennen wir die früheren Gottheiten und können ihre Umwandlung verfolgen. Von den angeblichen lokalen Gottheiten der Kanaaniter als Vorbilder für die Erzväter wissen wir so gut wie nichts. Ferner waren die Israeliten, so manches sie auch von der Kultur des Landes angenommen haben mögen, keine bekehrten Kanaaniter. Die Gründe aber, die man aus der biblischen Erzählung selbst entnimmt, sind von einer erstaunlichen Dürftigkeit Wenn z. B. drei Gottheiten bei Abraham in Hebron zu Besuch kommen, Hebron aber auch Kirjath arba, d. h. Stadt der Vier heißt, so ist — vermutet man — Abraham die vierte Gottheit, die sich die späteren in dem Baume, unter dem die Bewirtung stattfand, hausend vorstellten. Oder wenn Gott einmal die „Furcht Isaaks" genannt wird, so bedeutet das nicht den, den Isaak fürchtet, sondern „der Schrecken, der von Isaak ausgeht", also war Isaak ein Gott Oder der Name 100

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