Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Erzväter ägyptischen Monument „das Feld Abrams" genannt, was immerhin eine wertvolle Nachricht ist, und auch der Eigenname Jakob kommt schon früh in gewissen Zusammensetzungen vor, aber über die Erzväter Israels als solche erfahren wir nichts. Indessen will dieses Schweigen wenig besagen. So wichtig diese Personen für uns geworden sind, so wenig Interesse boten sie für die Politik und Geschichtschreibung der großen Reiche. Wissen doch die zeitgenössischen Geschichtschreiber von Mose und selbst dem späteren Stifter des Christentums, nichts. Sind wir somit auf die biblischen Berichte allein angewiesen, so sollen diese soviel Unwahrscheinlichkeiten oder Unmöglichkeiten enthalten, daß wir an ihre Geschichtlichkeit nicht glauben können und die wissenschaftliche Aufgabe nur darin bestehen, ihre Entstehung zu erklären, für die Ursprünge des Volkes aber nach geschichtlicher Methode und mit dem verwendbaren Material ein glaubwürdigeres Bild zu entwerfen. Alle Diskussion hört allerdings auf, wenn man die Unwahrscheinlichkeit oder Unmöglichkeit in der Rolle sieht, die Gott in dieser Geschichte spielt Mag man es in der weltlichen Geschichte für Pflicht halten, ihn gänzlich auszuscheiden, die israelitische ist ohne ihn nicht zu verstehen. Ihre Einzigartigkeit, die bei jeder Vergleichung nur noch stärker hervortritt, besteht eben in diesem Faktor. Daß die biblische Darstellung ihn mit Kraft und Klarheit zur Gellung bringt, ohne die irdischen Faktoren zu vernachlässigen, beweist, daß sie dies vollkommen erfaßt hat Darum beginnt sie bereits mit dem Satze: „Und Gott sprach", denn er ist in der Tat ihre Seele. Dabei ist aber eine bedeutsame Beobachtung zu machen: in der volkstümlichen Sage und Legende greift die Gottheit auf Schritt und Tritt in den natürlichen Gang der Geschehnisse ein, indem sie in eigener Person auf wunderbare, die Naturgesetze aufhebende Weise ihre Schützlinge leitet, sie aus Gefahren befreit, Hindernisse vor ihnen hinwegräumt oder ihnen selbst die Macht dazu verleiht Aber in unserer Geschichte tut weder Gott noch einer der Erzväter ein Wunder. Die Menschen müssen sich ihr Leben selbst und mit natürlichen Mitteln bereiten. Gott ruft sie, gibt ihnen Aufgaben und Verheißungen, mahnt, warnt, berät und tröstet sie, aber er zwingt sie nicht Er zeigt ihnen den Weg, aber1 gehen müssen sie ihn selber. Mit anderen Worten: seine Einwirkung ist lediglich eine psychologische auf ihren freien Willen. Zum Glauben an Gott und zum Vertrauen auf ihn sollen sie nicht durch Wunder gebracht werden, und brauchen es nicht Seine Allmacht wird Gott später erweisen, diese Zeit ist nur erst eine Zeit der Verheißung. Sonst wäre es ein sehr bemerkenswerter 7* 99