Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Vergangenheit Die Erzväter waren die ersten und die einzigen in einer weiten Welt Sie sind keine Schwärmer und schwelgen nicht in ihren inneren Erlebnissen, sie stehen mit beiden Füßen auf der Erde und leben doch für den Himmel und säen auf Hoffnung. So sind sie die Erzväter nicht bloß Israels, sondern aller derer geworden, die in Gott Stern und Kern ihres Lebens sehen. „Höret auf mich, die ihr nach Religion trachtet, die ihr Gott sucht; schauet auf den Felsen, aus dem ihr gehauen, auf den Quellpunkt, aus dem ihr entsprungen seid; schauet auf Abraham, euren Vater, und Sara, die euch geboren; als Einen berief ich ihn und segnete ihn." Wir haben ihnen fast alles absprechen müssen, was sonst die Welt groß nennt — um ihnen das letzthin allein Große zuzuerkennen. Dieser Männer Sohn war jeder Israelit Er durfte also jedenfalls das Bewußtsein haben, von gutem Herkommen zu sein. Nie hat ein ganzes Volk eine edlere Tradition, eine bessere Kinderstube gehabt Man konnte es zum Paria machen, aber man konnte es nie dahin bringen, sich selbst dafür zu halten. Es war für immer davor gerettet, ganz zu sinken und an sich selbst irre zu werden. Was den letzten Sohn dieses Stammes in aller äußeren Erniedrigung mit Hochgefühl und innerer Sicherheit erfüllen durfte, war das Bewußtsein, daß seine Vorfahren die Vertrauten des Höchsten waren, der ihnen, sofern sie ihrem Berufe nicht gänzlich entsagen, jene freiwillige Hingabe nie vergessen wird, eines Gottes, der bis ins tausendste Geschlecht denen seine Huld beweist, die ihn liebten und seine Gebote hielten. Der ungemein fruchtbare Begriff „Das Verdienst der Väter" ist nicht erst von den nachbiblischen Gottesgelehrten geschaffen. Das Verdienst der Väter ist der Gott der Väter, ihr Verhalten zu ihm. Gott ist der Herr, der sich nichts schenken lassen mag, und viele Geschlechter reichen nicht aus, seine Gegenliebe zu erschöpfen. Das Verdienst der Väter ist die Ergänzung des eigenen und der immer neuen Gnade Gottes. Sie haben nicht umsonst gelebt In dieser „Ahnenreligion" lebten die Väter für die Kinder. Es gibt Väter, damit die Kinder zu dem Gott derselben beten können. 7. Aber wird nicht das Meiste von dem bisher Gesagten hinfällig, wenn nachgewiesen ist, daß wir in den Erzählungen von den Erzvätern gar nicht geschichtliche Wirklichkeit vor uns haben? Haben diese Männer überhaupt gelebt? Damit sind wir bei der schwierigsten und wissenschaftlich am lebhaftesten verhandelten Frage. Zunächst muß zugegeben werden, daß wir außerhalb der Bibel kein Zeugnis von ihnen besitzen. Einmal wird in einem 98