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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentyps seit dem Mittelalter
Date
1926-04-01
Page
75 (sequence 5)
Language
German
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Die Jüdin der Gegenwart Almosens die Gerechtigkeit und den Rechtsspruch setzte, ist Frau Jeannette Schwerin anzusprechen. Durchdrungen von dem Empfinden — ich folge dem schonen Urteil Henriette Fürths —, daß es heute nicht mehr genügt, sein Geld und einen Teil seiner Zeit in den Dienst planloser Wohltätigkeit zu stellen, entfaltete sie eine rege aufklärende Tätigkeit auf ethisch-sozialem Gebiete, das nach Helene Lange „die königliche Domäne der Frau der Zukunft" ist Berlin verdankt ihr durch Gründung der „Auskunftstelle der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" eine tiefgreifende Reform der privaten Wohltätigkeit Weiter schuf sie, zusammen mit Minna Cauer, um den Frauen das Verständnis für die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge zu erschließen und sie für die daraus erfließenden Aufgaben sozialer Fürsorge zu ertüchtigen, 1893 die Berliner „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit". Aus ihnen gingen nachmals geschlossene Jahreskurse hervor, deren Aufgabe die berufsmäßige praktische und theoretische Schulung zur sozialen Hilfsarbeit war. Später entwickelten sich aus diesen glücklichen Anfängen eine Reihe sozialer Frauenschulen und Seminare, deren erste (1908) die soziale Frauenschule in Berlin die unmittelbare Fortsetzung der Schwerinschen Gruppen war. Daneben entfaltete Frau Schwerin eine rege Tätigkeit auf dem Gebiet aligemeiner Sozialpolitik. Sie war die erste Frau, die durch planmäßige, von reifem Verständnis getragene Arbeit das Interesse für den Arbeiterinnenschutz zu wecken verstand, die durch unermüdliche Propaganda in Wort und Schrift, durch Einsetzen ihrer charaktervollen, klaren und tiefen Persönlichkeit der kommunalen und sozialpolitischen Betätigimg der Frauen die Wege ebnete. Ihr ist es zu danken, wenn Deutschland vergleichsweise früh zur Anstellung weiblicher Gewerbeinspektorinnen schritt Ihr auch, daß sich endlich das Interesse weiterer Frauenkreise den Fragen des Arbeiterinnenlebens und Arbeiterinnenschutzes zuwandte. Selbst die Sozialdemokratie brachte ihr, der bürgerlichen Frau, unbegrenztes Vertrauen entgegen.-- Es liegt aber nicht im Rahmen dieser Arbeit, im einzelnen den Anteil der Jüdin an der Frauenbewegung darzulegen. Dazu müßte ich alle Strömungen, Wandlungen und Entwicklungen der Bewegung selber schildern, denn mit fast allen ist die jüdische Frau führend, anregend, schöpferisch verbunden. Ich müßte vor allem von der jüdischen Frauenbewegung und ihrer geistvollen Vertreterin, Bertha Pappenheim, aus Frankfurt erzählen, die 190A den Jüdischen Frauenbund ins Leben rief mit der Aufgabe, das Volk zu 75

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