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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 74

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentyps seit dem Mittelalter
Date
1926-04-01
Page
74 (sequence 4)
Language
German
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Selma Stern In gleicher Weise arbeitete die Jüdin daran, die Weiterentwicklung des weiblichen Geschlechts auf geistigem Gebiete zu fördern. Sie erschien i865 in Leipzig bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, der die Arbeit für eine Pflicht und Ehre des weiblichen Geschlechts erklärte und sie von den Fesseln des Vorurteils befreien wollta Hier versuchte besonders die im Jahre 1867 in den Vorstand des Vereins gewählte Henriette Goldschmidt aus Leipzig der Frau Zugang zum akademischen Studium zu verschaffen. Auf der ersten Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins zu Leipzig 1867 veranlaßt« sie eine Petition an die norddeutschen Hochschulen, zwecks Zulassung der Frau zu den akademischen, besonders den ärztlichen Studien. In einer öffentlichen Rede „Die Frauenfrage eine Kulturfrage" verlangte sie die Beteiligung der Frau an der Schulverwaltung, der Gesetzgebung und an allen kommunalen Ämtern, hauptsächlich der Armen- und Waisenpflege. Der von ihr 1871 geschaffene Verein für Familien- und Volkserziehung legte das Fundament zur Errichtung der Leipziger Frauenhochschule, ihre „Ideen über weibliche Erziehung im Zusammenhang mit dem System Friedrich Fröbels" waren die Ursache, daß der Leipziger Magistrat eine städtische Fortbildungsschule für Mädchen errichtete. Jenny Lind, die Schriftführerin des Lette-Vereins, sorgte durch ihre journalistische Begabung für die Propaganda der Bewegung. Sie redigierte kurze Zeit, zusammen mit Luise Otto-Peters, das Organ des Allgemeinen deutschen Frauenvereins, sie eröffnete durch ihre Übersetzung von John Stuart Mills „Hörigkeit der Frauen" jenen fruchtbaren Ideenkampf der Nathusius, König, Jakoby, Sybel, Lagarde, Bischoff, Meyer, Frey und Rose gegen und für das Studium der Frau. Die Gründung der Berliner Volksküchen (1866) durch Lina Morgenstern bedeutet dann das Eindringen der Frau in das Gebiet der Volkswirtschaft, das Verlassen der persönlichen Wohltätigkeit zugunsten einer umfassenden volkswirtschaftlichen. Der Plan, der Verteuerung der Lebensmittel „durch Herstellung von Nahrungsmitteln im großen und Ausgabe zum Selbstkostenpreis" entgegenzuwirken, war in sozialer Hinsicht eine bedeutende Tat; die Frau selbst hat er durch den Anteil an Leitung und Verwaltung einer großen Institution zu größeren organisatorischen Leistungen, zum Verständnis für soziale Fragen und zur vertieften Kenntnis der großen Masse geführt „Als die erste jüdische Repräsentantin jenes modernen Geistes, der an Stelle der Wohltätigkeit die Wohlfahrtspflege, an Stelle der Barmherzigkeit und des 74

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