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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Judentum und jüdische Religionsphilosophie im Urteil heutiger Katholiken
Date
1926-04-01
Page
69 (sequence 13)
Language
German
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Judentum und jüdische Religionsphilosophie im Urteil heutiger Katholiken daß aus ihm die Farbe des jüdischen Messianismus und die Energie des Juden in seiner Kulturarbeit und seiner Sozialarbeit erwächst Zwar, wenn er die Worte prägt „Judentum ist innerlichst Religion, und innerlichst Religion bis in seine verdorrtesten Zweige hinein. Gewalt des Kapitalismus und Gewalt des Kommunismus sind beide letztlich religiöse Gewalt", so ist diese Gleichsetzung von Judentum und Kapitalismus und von Judentum und Kommunismus — auch wenn sie als verdorrte Zweige bezeichnet werden — zurückzuweisen als bedauerlicherweise übernommenes Schlagwort aus Sphären, mit denen Przywara nichts gemein hat, aber richtig ist dabei der Gedanke, daß dem Juden, weil er leben- und kulturbejahend ist, alle Zweige seiner Mitarbeit an der Kultur der Welt religiös bestimmt sein müßten, und daß er in ihnen seine Religiosität auswirken müßte. Dieser Aktivismus erscheint Przywara anstößig, weil er als Christ gewohnt ist, den entscheidenden Akzent auf die Gnade Gottes auch im Tun des Menschen zu legen, und das Wesen des Religiösen in der Erwartung des Heils, das geheimnisvoll geschenkt werden muß, zu erblicken. Da ist es ihm wie eine Leugnung Gottes, daß der Jude von seiner inneren Entscheidung und der Selbständigkeit seines Tuns und seines Umkehrens von einem falschen Wege spricht Aber sein Urteil ist schief, weil er nicht erkannt hat, daß dem Juden, der von der Selbständigkeit des sittlichen Handelns spricht, so ernst ihm diese Selbständigkeit ist, doch immer sein sittliches Handeln von Gott abgeleitet und zu Gott hinführend ist „Heilig sollt Ihr werden, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott" (3. B. Mos. Kap. 19 V. 2), das ist auch der Leitsatz heutiger jüdischer Religiosität Mit dieser Betonung der Selbständigkeit des sittlichen Handelns, unbeschadet des Waltens Gottes ist es aller jüdischen Religiosität ernst, und erblickt Paler Przywara die Bürgschaft des Sieges christlichen Denkens darin, daß „das Christentum den Menschen aus der Geschlossenheit seines Wesens in die bedingungslose Glaubenshingabe an den Gott der unerforschlichen Wege reißt", so erblickt der Jude, der ja in seinem Glauben an den Gott der unerforschlichen Wege nicht minder fest wurzelt, die Bürgschaft des Sieges des Judentums und seiner Idee in dieser neben der Glaubenshingabe betonten Selbständigkeit der sittlichen Persönlichkeit, in dem gerade an dem Ausgleich zwischen der Gnadengröße Gottes und dem eigenen Gestalten des Menschen sich entzündenden Ringen. Nennt man das Unruhe und ewig sich erneuendes Schaffen und ewigen Weg, so nehmen wir das als ein nach unserem Urteil Wertvolles an, 69

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