Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Judentum und jüdische Religionsphilosophie im Urteil heutiger Katholiken
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 67 (sequence 11)
- Language
- German
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Judentum und jüdische Religionsphilosophie im Urteil heutiger Katholiken So hat es in seinem Leben Perioden gegeben, in denen ihm darin der Sinn des Judentums, die jüdische Religiosität erschien. Das lag im Zuge der Zeit, war eine Erscheinungsform des deutschen Idealismus, aber bei allem Respekt vor Cohen sei es gesagt, es ist nie so gewesen, daß man ihn als den Darsteller des Judentums anerkannt hätte, und seine Stimme war nicht die des heutigen Judentums. Und in seinem letzten Werke kann man es schon deutlich sehen, wie er von dieser Linie einlenkt zu einer Würdigung des Metaphysischen, und sicher hätte ihn sein Weg noch weiter in die alte jüdische Linie zurückgeführt. Wenn aber Pater Przywara ihn so zu verstehen glaubt, als sei ihm Gott nur eine Funktion der sittlichen Aktivität des Menschen, ist er im Irrtum. Er zitiert von ihm die Äußerung, daß schon die Frage nach Gott als Person „schlechterdings unjüdisch" sei. Gewiß, aber für jeden Eingeweihten heißt das, unjüdisch ist jede Form der Darstellung Gottes und des Gottlichen in menschlicher Personengestalt, und deutlich ist, was damit abgelehnt wird, aber nie heißt das, daß die wollende Persönlichkeit Gottes in Frage gestellt sei. Und wenn Przywara zum Beweise seiner Auslegung einen Satz zitiert wie etwa den: „es gibt keine Lehre von Gott an sich, sondern die Attribute sind . . . die Vorschriften für das Verhalten, für den Weg des Menschen," so ist für den Wissenden klar, daß Cohen hier in Anlehnung an Maimonides sagen will, daß Gotteserkenntnis des Menschen nie ein Reflektieren über ein beziehungsloses Sein Gottes ist, sondern daß Gott erkennen heißt, wissen, was Gott von dem Menschen verlangt All das angelehnt an das Wort des Jeremia Kap. 9 V. 23: „Nur dessen kann sich rühmen, wer sich rühmen will, daß er mich verstanden und erkannt hat, daß ich, der Ewige, Liebe, Recht und Gerechtigkeit auf der Erde übe und daß ich daran Wohlgefallen habe, ist der Spruch des Ewigen." Gerade das ist aber zugleich das bewußte Bekenntnis zu Gott, dem Seienden. Przywara sieht aber davon nur die Seite, die die menschliche Tat betont Was hat es denn aber mit diesem Aktivismus, in dem Pater Przywara und so viele andere mit ihm einen Irrweg des religiösen Empfindens und eine Leugnung Gottes erblicken, für eine Bewandnis? Es ist in der Tat ein Element jüdischer Religiosität; aber in ganz anderm Sinne als Przywara es auffaßt Das muß nun, weil es entscheidend ist, mit aller Deutlichkeit gesagt werden. Es gehört zum unentbehrlichen Zeichen jüdischer Religiosität, den Menschen zu erfassen als ein Wesen, das von Gott mit der Kraft begabt ist 5* 67