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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Über die Haggadah
Date
1926-04-01
Page
40 (sequence 7)
Language
German
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Bruno Italiener sprechend der Entwicklung, die der Ritus genommen hat, vorwiegend als Haupttypen spanische und deutsche Handschriften. Die älteste illustrierte spanische Handschrift ist wohl nicht — wie man früher vermutete — die von Müller, v. Schlosser und David Kaufmann herausgegebene sogen. Haggadah von Sarajevo, sondern die früher im Besitz des Earl of Grawford and Balcarres befindliche (sogen. Grawford i), jetzt in der John Rylands Library in Manchester aufbewahrte Handschrift, die aus dem Ende des i3. Jahrhunderts stammen dürfte. Von deutschen Handschriften ist die älteste, mit Illustrationen versehene der im Eingang dieses Aufsatzes erwähnte Kodex der Darmstädter Landesbibliothek (Cod. or. 8). Die Pracht der Farben, die monumentale Gestalt der Buchstaben, die Schönheit des Einbandes haben auf verschiedenen Ausstellungen derartig die Bewunderung weiter Kreise erregt, daß der Verlag K. W. Hiersemann in Leipzig sich entschlossen hat, die Handschrift in naturgetreuer Reproduktion herauszugeben. Dem Alter am nächsten steht Unwohl die Handschrift, die von dem Sohn des Schreibers des soeben erwähnten Kodex, dem Sofer Meir b. Israel, stammt Sie ist gleichfalls reich illustriert, wohl am Ausgang des i4- Jahrhunderts geschrieben und befindet sich in dem Besitze des Hebrew Union College in Cmcinnati.1) Was die Motive betrifft, deren die Künstler in ihren Illustrationen sich bedienen, so schlagen sie im Wesentlichen zwei Wege ein. Die einen behandeln von der Bibel ausgehend (bei den ältesten spanischen Handschriften in zusammenhängender, dem Text der Haggadah vorangehender Reihenfolge) an der Hand der Heiligen Schrift die Ereignisse besonders des i. und 2. Buch Moses. Daran schließen sich, gleichsam als Anhang, einige wenige Bilder, die auf den Gang des Sederrituals Bezug nehmen. Dem gegenüber steht eine andere Gruppe vorwiegend deutscher und italienischer Handschriften, in denen der Künstler sich statt von der Bibel von der Haggadah leiten läßt In teils prächtigen Vollbildern, teils flüchtig hingeworfenen Randillustrationen (diese besonders anschaulich in der sogenannten 2. Haggadahhandschrif t des Germanischen Museums in Nürnberg) werden die wichtigsten Momente des häuslichen Rituals wie die in der Haggadah erwähnten historischen Ereignisse festgehalten. Nun glaube man aber nicht, daß es dem Künstler — dem religiösen Charakter des kleinen Buches entsprechend — vorwiegend darum zu tun ist, eine möglichst ernste und feier- *) Dieser Kodex wird mit etwa 20 anderen illustrierten Haggadah-Handschriften in dem wohl noch im Lauf« dieses Jahres hei K. W. Hiersemann erscheinenden Werk eine eingehende Würdigung finden. 40

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