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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 38

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Über die Haggadah
Date
1926-04-01
Page
38 (sequence 5)
Language
German
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Bruno Italiener gang" Israels zu beginnen, und mit den Tagen der „Erhöhung", d. h. der Schilderung der wunderbaren Erlösung Israels zu enden. — Zu dem in der Mischnah uns erhaltenen Grundstock gesellten sich im Laufe der Jahrhunderte andere Stücke, z. B. auch jener durch die Illustrationen bekannte Abschnitt, der von den sogen, vier Gestalten und ihren Fragen handelt, dem Weisen, dem Bösen, dem Einfältigen und dem Kinde. Dieser Teil stammt in der vorliegenden Form aus der Mechiltah *); die ursprüngliche viel klarere Fassung hat sich im jerusalemischen Talmud (Pesachim 34 b) erhalten.2) Etwa im 8. nachchristlichen Jahrhundert erhielt die Haggadah, die gleichsam einen Anhang zur Mechiltah bildete, ihren vorläufigen Abschluß. Später wurde die zweite Hälfte der Sederfeier (nach der Mahlzeit) durch fromme, der synagogalen Liturgie entnommene Lieder vermehrt, die je nach dem deutschen oder spanischen Ritus der Haggadah erheblich voneinander abweichen. Bis zum 16. Jahrhundert endete die Haggadah in der Regel mit dem sich schon im Machsor Vitry findenden Liede „ki lo nae3) und dem Rufe messianischer Sehnsucht: „l'schanah habaah biruschalajim", „im nächsten Jahr in Jerusalem", worauf man den vierten Becher trank. Einzelne Handschriften des deutschen Ritus aus dem i4- und i5. Jahrhundert enthalten teilweise als Anhang noch jenes bekannte Lied „adir hu", dessen Kehrreim immer wieder die Hoffnung auf den Bau des Tempels zum Ausdruck bringt und wohl in hebräischer und deutscher Sprache gesungen zu werden pflegte. Daran schloß *) Die Mechiltah Maß (modus) der Erläuterung; ein fortlaufender, von R. lsmael (um das Jahr 70 n. d. gew. Zeitr.) redigierter Kommentar zum 2. Buch Moses. 2) Der Text des Jerusalemer Talmud gibt u. a. auch Aufschluß über jene in unserer Haggadah unverständliche Stelle, in der auf die Frage des Weisen nach der Bedeutung der Vorschriften für das Pessachfest die Antwort erteilt wird „en maftirin achar hapessach aphikoman'* „Man macht nach dem Genuß des Pessachopfers kein Aphikoman.' Im Jerusalemer Talmud wird diese Antwort auf die Frage des Einfältigen „was bedeutet dieses?" gegeben und hinzugefügt „sch'Io j'he omed m'chawurah su w'nichnas l'chawurah achereth" „Man verlasse nicht diese Tischgesellschaft und gehe zu einer anderen Tischgesellschaft." Diese letztere Bemerkung findet ihre Erklärung in der griechischen Sitte, an eine größere Mahlzeit einen Nachtisch, bestehend aus Obst und Näschereien, sowie ein Gelage anzuschließen, dem öfter ein lärmender Umzug auf der Straße folgte. Dieser sittlich nicht einwandfreie, häufig wohl in Rausch und Trunkenheit ausartende Umzug hieß griechisch xv>(io% (komos), der Teilnehmer wurde hrixtof/oil (epikomos) genannt. Unter Aphikoman verstand man dann sowohl „Nachtisch" wie „Umzug". In nachtalmudischer Zeit verstand man dann nicht mehr die ursprünglich an die jüdische Jugend gerichtete Mahnung „en maftirin achar hapessach aphikoman", die Feier des Pessachfestes nicht wie die Heiden ihre Festmahle in einem lärmenden Umzug ausarten zu lassen, sondern bezog das Wort Aphikoman vielmehr ungenau auf die nach dem Mahle als Nachtisch zu genießende Mazzah (Lewy, a. a. O.). s) Vergl. Zunz, Literaturgeschichte d. synag. Poesie S. 88 und Landshuth, Haggadah (i855) S. XVIII. 38

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