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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 32

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
32 (sequence 10)
Language
German
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Hans Driesch zwei Formen: materiell manifestiert und materiell nicht manifestiert Sagt man nun, diese beiden Formen der Existenz müßten einer und derselben Ur-essentia gleichsam aufsitzen, so hat man den emanatorischen Gott (wenigstens in einer seiner Ausprägungsseiten), lehnt man es ab, so hat man ihn nicht. Wie aber steht es mit dem berühmten ontologischen Argument? Ich meine, daß es deshalb nichts besagen kann, weil das ens perfectissimum doch eben nichts anderes ist, als ein Erzeugnis der konstruktiven Phantasie auf logischem Boden. Das ontologische Argument sagt im Grunde nichts anderes als dieses: Die Idee eines allervollendetsten Wesens muß als Idee das Existieren des durch sie gemeinten Gegenstandes einschließen, sonst wäre die Idee als Idee in sich widerspruchsvoll. Das nun ist freilich richtig. Ob aber der durch die Idee gemeinte Gegenstand wirklich existiert oder nicht, darüber kann das ganze Argument gar nichts aussagen. Vom Logischen zum Existierenden führt keine Brücke und mit Recht hat Kant gesagt, daß das Urteil „Gott existiert" (als besonderes Wesen) ein synthetisches Urteil aposteriori ist, wie denn überhaupt Kant in seiner Widerlegung des ontologischen „Beweises" der Sache nach durchaus Recht hat1) Das ontologische Argument ist wirklich nur eine ganz leere logische Formel. Es ist der bedeutungsloseste aller historischen Gottesbeweise, denn es kommt sachlich für keine Form der Gottesexistenz, nicht einmal für den Demiurgos in Frage. So sind denn also die historischen Gottesbeweise, soweit sie überhaupt etwas bedeuten, nur für die Lehre vom Demiurgos, von der Ganzheitsdurchtränkung teilweise zu verwerten; die Frage der, gedanklich oder praktisch, gesonderten Existenz eines Gottes bleibt unerledigt durch sie Endlich noch folgendes: Selbst wenn die historischen Beweise in Dingen der Emanations- oder Kreationslehre mehr böten, als es der Fall ist, wenn sie das Dasein Gottes als eines besonderen Wesens wirklich bewiesen, würden sie über sein Sosein nichts aussagen. Dieses müßte aus dem Sosein der Welt induktiv gefolgert werden, wobei denn das Problem des Dualistischen, des Irrtums und des Bösen zumal, ein sehr bedenkliches Problem bleibt Keine „Theodizee" ist bisher gelungen! Ganzheit und Nichtganzheit, beide die Welt durchtränkend — damit muß der Gewissenhafte sich abfinden. Freuen x) Mit Unrecht freilich hat er geleugnet, daß „hundert wirkliche Taler" und „hundert, mögliche Taler" zwei verschiedene Begriffe seien. Es s i n d zwei verschiedene Begriffe. 32

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