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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 31

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
31 (sequence 9)
Language
German
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Die Gottesbeweise de« ontologischen Beweis an. Aber ganz vornehmlich haben allerdings die historischen Beweise im Rahmen des kreatorischen Theismus ihre Bedeutung, und so reden wir denn zunächst nur von ihm: Gott soll als Urheber des Daseins und Soseins der Welt neben ihr existieren und zwar als „Person" übermenschlicher Art Das soll „bewiesen" werden. Was bedeuten hier die Beweise? Der kosmologische Beweis und der aus der Zufälligkeit der Welt bedeuten für eine echte Kreationslehre, welche implicite mit einem „Anfang der Zeit" rechnen muß, deshalb nichts, weil eine Unendlichkeit des zeitlichen Weltverlaufes, nach rückwärts und nach vorwärts, nicht auszuschließen ist. Die Beweise des Kartesius und Augustin aber und auch der moralische Beweis zeigen nur Gottesdmxhtränktheit an und nichts weiter. Der ontologische Beweis endlich, seine Bündigkeit vorläufig zugegeben, sagt über Emanation oder Kreation gar nichts. So ist denn also die Kreationslehre und damit die Existenz des kreatorischen Gottes jedenfalls durch keinen der vorliegenden Beweise in irgendeinem Sinne, sei es auch nur dem eines Halbbeweises, bewiesen; sie ist, wie wir meinen, überhaupt unbeweisbar, womit natürlich nicht gesagt ist, daß sie falsch sei. Wenn die Emanationslehre einen Anfang der Zeit annimmt, indem sie, zwar nicht echte Schöpfung, aber doch die Verwandlung Gottes aus zeitlosen Offenbarungsphasen in zeitliche und umgekehrt lehrt, so trifft sie dasselbe Argument wie die Kreationslehre: Wir wissen nicht, können gar nichl wissen, ob es einen „Anfang der Zeitlichkeit" gibt oder nicht gibt Aber eben weil eine Verwandlung des emanatorischen Gottes in viele Phasen im Rahmen von Zeit auch sehr wohl denkbar ist, so ist durch die Unentscheidbarkeit der Kreationsfrage die Lehre vom emanatorischen Gott noch nicht ohne weiteres mit erledigt. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, was die Emanationsiehre uns sagt Sie sagt dieses: Ein festgegebenes allerreichstes Urwesen Gott geht durch alle denkbaren Weltphasen hindurch, obwohl es actu immer nur als die jeweils existierende Weltphase besteht Uns dünkt, daß die Entscheidung hier letzthin eine Angelegenheit des, sozusagen, logischen Geschmackes ist Daß es überhaupt verschiedene Phasen des Existierenden gibt, lehrt allein schon die Tatsache des Todes (und der ..Geburt") der Lebewesen. Das Entelechiale existiert sicherlich in mindestens 31

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