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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
30 (sequence 8)
Language
German
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Hans Driescli leibliche und das seelische Individuum sind in sich ganzheitlich („teleologisch*') gebaut, und mein Besitz des Begriffes „ganzes geordnetes All", mein Besitz der aprioren logischen und mathematischen oder, kurz „Ordnungs"-Wahrheiten, mein Besitz sittlicher Schau sind nur bei der Annahme eines ganzheitsdurchtränkten Universums verstandlich. Sie zeigen mir an: erstens eine Harmonie zwischen mir als dem erfassenden Subjekt und aller erfaßten Objektivität mit Rücksicht auf Ordnungserfassung und Ordnungsdasein, und zweitens mein Eingereihtsein in eine überpersönliche Ordnung des Geistigen. Der echte Atheismus ist also geradezu widerlegbar. — Ganz anders steht es nun freilich, wenn die drei engeren Gottesbegrdffje, also die Lehren vom freien pantheistischen, vom emanatorischen und vom kreatorischen Gott, zum Gegenstand der Betrachtung gewählt und mit den historisch vorliegenden Beweisen zusammengebracht werden. Der Bergsonsche echte Pantheismus, um mit ihm zu beginnen, isl im Grunde eine Abart der bloßen Demiurgoslehre, nämlich die Lehre, daß das als bestehend nachgewiesene überpersönliche Ganze im Universum sich frei, d. h. indeterminiert, gestalte. Ich habe an anderem Orte1) gezeigt, daß diese Frage grundsätzlich unlösbar ist Die Demiurgoslehre als Ganzes ist also berechtigt: die ihr von Bergson gegebene besondere Form ist unbeweisbar. Übrigens ist ja kein einziger der historischen Beweise auf diese Bergsonsche Variante sozusagen zugeschnitten. Es bleiben die Lehre vom emanatorischen und vom kreatorischen Gott für die Prüfung übrig. Beide Lehren gehen, wie wir wissen, dadurch über die Lehre von der bloßen Gottesdurchtränktheit hinaus, daß sie von Gott als einem besondern Wesen reden, welches jedenfalls gedanklich, auf dem Boden der Kreationslehre auch praktisch von der „Welt" getrennt ist Die bloße Demiurgoslehre hatte sich über diese Frage gar nicht geäußert, der echte Pantheismus hatte sie abgewiesen. Gerade um Gott als in Besonderheit existierendes Wesen aufzuzeigen, sind nun alle historischen Gottesbeweise geschaffen worden, ja, fast alle ihre Befürworter haben sogar ganz ausdrücklich an den jüdisch-christlich-islamitischen Schöpfer gott gedacht Man darf freilich nicht soweit gehen zu sagen, die historischen Gottesbeweise hätten nur auf dem Boden der Lehre vom kreatorischen Gotte Bedeutung; denn der Emanatist Spinoza nimmt ja ~~ i) Wirklichkeit^lchre. 2. Aufl. 1922, S. K>3 ff. 30

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