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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
29 (sequence 7)
Language
German
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Die Gotlesbeweise Die Frage, ob Gott die Welt seinem Wesen nach schaffen muß oder sie in freiem Entschluß schafft, tritt natürlich auch hier auf. Wir übergehen ihre Erörterung als unwesentlich für unsere Absichten. — Jetzt aber kommen wir endlich zur Ausführung unserer letzten Absichten, nämlich zu der Frage, was denn tatsachlich die verschiedenen Gottesbeweise als „Beweise" bedeuten; zu der Frage also, um was für eine Art von „Beweisen" es sich bei ihnen vielleicht handeln konnte, und „was für einen" Gott sie im günstigen Falle etwa wirklich in seiner Existenz beweisen oder wenigstens wahrscheinlich machen möchten. Wir werden nun, meine ich, bei der Ausführung unseres Planes am besten so vorgehen, daß wir die verschiedenen von uns aufgeführten Grottesbegriffe der Reihe nach mit den historisch vorliegenden Grottesbeweisen zusammenbringen und uns fragen, welche Beweiskraft und welche Art von „ Beweis" - kraft diesen jeweils innewohnt In Zusammenhang damit werden wir gelegentlich moderne Ergänzungen zu den historischen Beweisen beibringen. Ganz von selbst wird sich endlich ergeben, welche von ihnen sowohl als echte wie als unechte „Beweise" gänzlich, d. h. mit Rücksicht auf jeden der denkbaren Gottesbegriffe, ohne Bedeutung sind. Das Dasein eines Demiurgos wird „bewiesen" durch den physikotheologischen, den psychologischen (kartesianisühen), den augustinischen und den moralischen Beweis. Freilich handelt es sich nicht um deduktive, sondern um induktive, also unechte, Beweise. Aber der geordnete Bau und das geordnete Werden der organischen Natur, mein Besitz der Vorstellung eines höchsten Ordners, mein aprioristischer Besitz der sogenannten ewigen Wahrheiten und endlich mein moralisches Bewußtsein zeigen in der Tat das Dasein personaler und überpersönlicher Ganzheit im Universum an, und mehr als diese Gottesdurchtränktheit des Wirklichen sollte ja die Lehre vom Demiurgos nicht bedeuten. Es handelt sich hier sogar um mehr als nur bloße wahrscheinlich machende Induktion. Denn von der Folge kann, wenn auch nicht auf das Sosein im engeren Sinne, so doch auf die allgemeine Struktur des Grundes geschlossen werden, und wenn sich zeigen läßt, daß die Folge keine summenhafte Struktur habe, so ist damit auch für den Grund die Annahme einer solchen Struktur abgewiesen. Die moderne vitalistische Biologie, personal und phylogenetisch, und die moderne Psychologie, insofern sie mit der bloßen Assoziationslehre und dem üblichen psycho-physischen Parallelismus gebrochen hat, bedeuten geradezu den Beweis des Demiurgos in moderner Form. Das 29

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